„Der Mensch ist wie ein guter Wein, er reift mit den Jahren und wird immer wertvoller.“ Diesen Spruch hast du sicher schon oft gehört. Beim Menschen mag das stimmen, beim Wein ist es ein Irrglaube. Nur etwa 5 bis 10 Prozent aller Weine weltweit gewinnen durch eine lange Lagerung. Über 90 Prozent sind dafür gemacht, jung und frisch getrunken zu werden. Bevor du also einen Wein „zum Reifen“ weglegst, lohnt sich die Frage: Ist er überhaupt dafür geeignet, und wenn ja, wie lagerst du ihn richtig?

Inhaltsverzeichnis
Welche Weine du überhaupt lagern solltest
Lagerpotenzial haben vor allem kräftige, tanninreiche Rotweine und hochwertige, säurebetonte Weißweine aus guten Jahrgängen. Einfache Alltagsweine, die meisten Roséweine und frische, fruchtige Weißweine trinkst du dagegen am besten innerhalb von ein bis zwei Jahren. Sie werden mit der Zeit nicht besser, sondern verlieren ihre Frucht. Im Zweifel gilt: Lieber jung genießen als zu lange warten.
Die 5 Faktoren der richtigen Weinlagerung
Egal ob Keller, Schrank oder Abstellkammer, auf diese fünf Dinge kommt es an:
- Temperatur: Ideal sind konstante 10 bis 14 Grad. Wichtiger als der exakte Wert sind starke Schwankungen, die du vermeiden solltest.
- Licht: So dunkel wie möglich. UV-Licht und direkte Sonne lassen Wein vorzeitig altern.
- Luftfeuchtigkeit: Rund 60 bis 70 Prozent. Ist es zu trocken, kann der Korken austrocknen und der Wein oxidiert.
- Lage: Flaschen mit Naturkork liegend lagern, damit der Korken feucht und dicht bleibt. Flaschen mit Schraubverschluss dürfen auch stehen.
- Ruhe: Keine Vibrationen und keine starken Gerüche in der Nähe. Beides überträgt sich auf den Wein.
Wie lange kann man Wein lagern?
Das hängt ganz vom Wein ab. Einfache Weißweine und Rosés sind nach ein bis drei Jahren am besten. Gute Rotweine halten je nach Stil fünf bis zehn Jahre oder länger, große Gewächse aus Spitzenlagen teils Jahrzehnte. Es gibt aber keine Garantie, im Zweifel hilft nur Probieren. Wer einen besonderen Wein lange aufheben will, kauft am besten mehrere Flaschen und öffnet über die Jahre verteilt eine nach der anderen.
Keller, Kühlschrank oder Weinklimaschrank?
Ein kühler, dunkler Keller ist der Klassiker und für die meisten völlig ausreichend. Der normale Küchenkühlschrank eignet sich nur kurzfristig, er ist zu kalt, zu trocken und vibriert. Wer ernsthaft sammelt oder keinen Keller hat, ist mit einem Weinklimaschrank gut beraten, weil er Temperatur und Feuchtigkeit konstant hält. Welche Modelle sich lohnen und worauf du beim Kauf achten musst, zeige ich dir in meinem Weinkühlschrank-Test.
Häufige Fragen
Kann man Wein zu lange lagern?
Ja. Auch lagerfähige Weine haben einen Höhepunkt und bauen danach ab. Irgendwann verlieren sie Frucht und Struktur und schmecken müde.
Muss ich Wein im Keller lagern?
Nein, ein Keller ist nicht zwingend nötig. Jeder dunkle, kühle und ruhige Ort mit möglichst gleichmäßiger Temperatur funktioniert.
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Fazit
Nicht jeder Wein wird mit den Jahren besser, im Gegenteil. Prüfe zuerst, ob dein Wein überhaupt Lagerpotenzial hat, und sorge dann für konstante Kühle, Dunkelheit, etwas Feuchtigkeit und Ruhe. Dann hält dein Wein genau so lange, wie er soll.

ÜBER DEN AUTOR
Daniel Bayer
Sommelier · WSET Level 3 · VINUM Top-20-Weinfluencer 2023
Ich bin Daniel Bayer, Gründer und Herausgeber von Wein verstehen und zertifiziert nach WSET Level 3. Seit 2016 schreibe ich auf wein-verstehen.de über Wein, spreche im Winzer-Talk-Podcast mit Winzern aus ganz Europa und nehme dich mit auf Weinreisen. Mein Ziel ist es, Wein verständlich zu machen, für jeden, der ihn gern trinkt.

Ich würde mir bald neuen Wein bestellen. Daher ist es gut zu wissen, dass die meisten nicht allzu lange lagern sollten. Ich denke, dann kann ich eher eine kleine Menge bestellen.
Danke für die tollen Tipps, wie man den Wein zu lagern hat. Nun können mein Bruder und ich anfangen, unseren Weinkeller auszubauen. Natürlich werden wir auch Wein kaufen. Wir freuen uns darauf.
Ich bin schon oefter auf Deinen Blog gesto&szel;en und fand die Beitraege immer super