Auch wenn das imposante, würfelförmige Weingut erst vor vier Jahren eröffnet wurde, reicht die Geschichte der Kellerei Bozen mehr als hundert Jahre zurück. Anfang des 19. Jahrhunderts legten zwei separate Kellereien den Grundstein, als 1908 dreißig Bauern eine Weinbaugenossenschaft im Luftkurort Gries und 1930 achtzehn Weinbauern rund um den St.-Magdalena-Hügel eine Genossenschaft gründeten.

Die gemeinsame Vision war es die autochthonen Südtiroler Weinsorten Lagrein und Vernatsch zu vinifizieren. Die Rollen waren schnell verteilt. In Gries konzentrierte man sich auf Lagrein, welcher auf Porphyrböden zu Höchstformen aufläuft. Die Kellerei St. Magdalena richtete den Fokus auf die Vernatsch-Traube. Kurz nach der Jahrtausendwende entschied man sich schließlich die Kräfte zu bündeln und die beiden Kellereien zur Kellerei Bozen zusammenzuschließen. Das offizielle Gründungsjahr der Kellerei Bozen ist somit 2001.

Die neue Kellerei wird eröffnet

Kellerei Bozen

Vor knapp vier Jahren wurde mit der Übersiedlung in den Bozner Stadtteil Moritzing eine neue Ära eingeläutet. Ich durfte damals mit dabei sein, als im Herbst 2018 die Türen des neu gebauten kubusförmigen Weingutes eröffnet wurden. Von der Idee bis zum Bau des Würfels sind ca. 8 Jahre vergangen. 5 Jahre Planungsphase und 3 Jahre Bauzeit. 80.000 Kubikmeter Bauvolumen, die bis tief in den Untergrund reichen stehen den 220 Mitgliedern zum Verarbeiten ihrer Ernte zur Verfügung.

Was ist eine vertikale Kelterung?

Dabei wurde der Weinherstellungsprozess so optimiert, dass eine vertikale Kelterung möglich ist. Also eine Verarbeitung, bei der das geerntete Traubengut im vierten Stock des Gebäudes angeliefert und völlig natürlich durch die eigene Schwerkraft von oben nach unten durch die einzelnen Stationen bis hin zur Lagerung im Keller befördert werden. Durch die Anwendung des Gravitationsprinzips werden mechanische Einwirkungen verringert und das Traubenmaterial besonders sanft bewegt. Das ist von zentraler Bedeutung, denn das höchste Prinzip ist es die Trauben so schonend wie möglich zu verarbeiten.

Tipp: Die Kellerei Bozen kann das volle Potential an unterschiedlichen Höhen ausnutzen. Von der untersten Talsohle der Stadt, das heißeste Gebiet Südtirols, bis auf die höchsten und kühlsten Lagen in 1.000 Meter Höhe. Dadurch entsteht ein großes Zeitfenster für die Ernte, welches bis zu 7 Wochen lang ist. Die Erntemenge beträgt zwischen 3.000 und 3.200 Tonnen Trauben.

Tipp: Die moderne Fassade des Würfels wurde so designt, dass sie der Natur sehr nahe ist. Die verästelten Linien erinnern an die Zellstruktur eines Rebblattes.

Der Taberhof  – Hier kann Lagrein perfekt ausreifen

Taberhof Gries

Als Kellermeister hält Filippi Stephan die Fäden in der Hand und koordiniert das Zusammenspiel von 224 Mitgliedern, die insgesamt 350 Hektar Rebfläche bewirtschaften. Erfahrung hat der Südtiroler genügend, denn schon 1988 machte er seinen Einstieg bei der Kellerei St. Magdalener. Zuvor hat er seine Ausbildung in San Michele gemacht. Eines der berühmtesten Weinbauinstitute in ganz Italien.

Besonders stolz ist der Önologe auf den Lagrein „Taber“, der vor wenigen Jahren in einer speziellen Vertikale vorgestellt und von ausgewählten Journalisten verkostet wurde. Der Tropfen zählt zu den besten Weinen Südtirols und wurde bereits mehrfach ausgezeichnet. Nirgendwo sonst fühlt sich die rote Rebsorte so wohl wie im Bozner Talkessel. Als eine der besten Lagen gilt der Taberhof im Stadtteil Gries auf 260 Höhenmeter. Dort finden die rund 80 Jahre alten Rebstöcke, die immer noch traditionell nach dem Pergola-System erzogen werden, optimale Bedingungen. Der Taberhof befindet sich im Grieser Grünkeil, der auch als grüne Lunge der Stadt bezeichnet wird. Ein geschütztes Gebiet, das nicht bebaut werden darf.

Filippi Stephan
Filippi Stephan bildete die Speerspitze einer Winzergeneration, die kompromisslos daran gearbeitet hat die Massenproduktion zu verdrängen und konsequent auf Qualität zu setzen. So beträgt die Erntemenge in der Lage Taberhof lediglich 6.000 kg Weintrauben je Hektar.

Auf welchem Boden wächst Lagrein optimal?

Die mit Sand und Kies durchsetzten Porphyrböden sind ideal für den Lagrein. Sie bewahren die Wärme des Sommers bis spät in den Herbst hinein und ermöglichen somit, dass die Trauben perfekt ausreifen können. In den tieferen Schichten des leichten und wasserdurchlässigen Bodens findet man weiße, runde Bachsteine, die jeweils Ablagerungen der Talfer darstellen. Dem Stadtfluss, der durch Bozen fließt und anschließend in den Eisack mündet. Tagsüber streicht der warme Ora-Südwind vom Gardasee sanft über die Rebflächen und verwöhnt den Lagrein mit noch mehr Wärme. Nachts kehren sich die Verhältnisse um und kühle Nordwinde wehen aus den Bergen in die Anlagen. Das sorgt für Spannung und in den Weinen.

Lagrein „Taber“ – Vertikalverkostung

Kellerei Bozen Taber

Meinen Besuch bei der Kellerei nutzte ich als Anlass den Lagrein „Taber“ erneut in der Jahrgangstiefe zu verkosten. Natürlich möchte ich meine Eindrücke mit euch teilen und so findet ihr im Folgenden meine Verkostungsnotizen für die Jahrgänge 1996, 2005, 2010, 2015, 2018 und 2020. Die komplette Degustation und das Gespräch mit Stephan Filippi könnt ihr euch außerdem als Podcast anhören.

Lagrein Riserva „Taber“ 1996: Der Lagrein strahlt immer noch Kraft, Frische und Lebendigkeit aus. 1996 war ein eher kühler Jahrgang.  Dunkle Beerenfrucht, reife Pflaumen gepaart mit Nelken und einer angenehmen Röstaromatik. Tannin ist immer noch präsent, aber sehr gut eingebunden. Schöne Fülle und Länge.

Lagrein Riserva „Taber“ 2005: Etwas rotbeeriger in der Frucht mit Sauerkirschen und einer dezenten Kräuterwürze. Auch hier eine feine Röstaromatik und einer schönen Frische am Gaumen.

Lagrein Riserva „Taber“ 2010: Sehr präzise Frucht und beinahe ausschließlich dunkelbeerig. Schwarze Kirschen, Brombeeren und Heidelbeeren, dazu eine leicht fleischige Note in der Nase, die von einer Spur Thymian begleitet wird.

Lagrein Riserva „Taber“ 2015:  Ein etwas wärmerer Jahrgang, der eine optimale und reife Traubenqualität hervorgebracht hat. Dunkles Purpur im Weinglas und eine vollreife, präzise Frucht in der Nase. Ein stabiles Tanningerüst und eine gute Säurestruktur bilden das Fundament eines jungen Weins, den ich mir unbedingt in den Keller legen würde.

Lagrein Riserva „Taber“ 2018:  Erster Jahrgang aus der neuen Kellerei. Sehr runder, harmonischer Wein mit tollem Trinkfluss. Wunderbar ausbalanciert und mit klarer dunkler Fruchtaromatik. Ein Tropfen mit enormem Potential.

Lagrein Riserva „Taber“ 2020: Ein Wein bei dem alles stimmt. Balance, Struktur und Harmonie. Jetzt in den Keller legen und in 5 – 10 Jahren genießen.

Mockhof – Weißwein aus den Höhenlagen

Mockhof Bozen
Die Aussicht ist unbezahlbar. Und die 550 Höhenmeter, sowie die sanften, kühlenden Winde sind ein wahrer Segen an diesem heißen Tag Anfang August. Der Blick über die Steillagen ist zum Seufzen schön.

„Früher wurde hier ausschließlich Rotwein angebaut“, erklärt Armin Platter, während wir durch die 30 Jahre alten Sauvignon Blanc Reihen streifen. Sein Vater Karl war damals der erste Winzer, der damit anfing in dieser Region Weißwein anzupflanzen. Zunächst erntete er jede Menge Unverständnis und Kopfschütteln von den benachbarten Winzerkollegen, die vor bis dahin vor allem auf Vernatsch setzten. Niemand ahnte zu dieser Zeit, wie erfolgreich dieses Experiment werden würde.

Dabei ist die Exposition und das vergleichsweise kühle Mikroklima perfekt dafür geeignet Weißwein anzupflanzen. „In der letzten Reifephase bzw. während der Ernte, haben wir hier sehr hohe Temperaturunterschiede zwischen Tag und Nacht“, erklärt Platter während er einige Triebe aus dem Hagelnetz befreit. „Bis weit in den September hinein messen wir am Tag bis zu 30 Grad und in der Nacht geht es runter bis auf 10 Grad. Die kalten Winde vom Eisacktal kühlen die Weinhänge stark herunter.“

Mockhof Bozen

Armin Platter ist heute in der dritten Generation für die Pflanzen verantwortlich. Sein Vater Karl war damals der erste Winzer, der in dieser Region auf Weißwein umgestellt hatte und sein Großvater war Gründungsmitglied der Kellerei St. Magdalena. Heute bewirtschaftet Platter rund 4 ha Rebfläche, wobei 1 ha dem Gewürztraminer und 3 ha dem Sauvignon Blanc zuzuordnen sind.

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