Heute sprechen wir über die Klassifizierung „Crus Bourgeois du Médoc“ in der Region Médoc, welche sich im Norden der Stadt Bordeaux über einen schmalen Streifen zwischen Atlantik und der Gironde erstreckt. Eine Halbinsel mit gemäßigtem Klima und einer komplexen Geologie.

Was bedeutet Bourgeois

Der Ausdruck „Cru Bourgeois“ entstand bereits im Mittelalter und bezeichnete die „bourgeois“, also die Bürger bzw. Bewohner der „Burg“ von Bordeaux, welche die besten Ländereien der Region besaßen. Heute folgt die Klassifizierung „Crus Bourgeois du Médoc“ in der Hierarchie auf die Grand Cru Classés. Dabei gilt die Klassifizierung für das Weingut, also das Château. Sie ist nicht an einzelne Lagen gebunden, wie im deutschen Weingesetz oder im Burgund, solange sich die Weinberge im Gebiet der Appellationen des Médoc befinden.

Seit dem 20. Februar 2020 greift die neue hierarchische Klassifizierung der Crus für Qualitätssicherung und vereinfacht die Weinauswahl erheblich. Weinliebhaber mussten sich damals lange gedulden, bis die neue Klassifizierung greifen konnte, denn die Entwicklung des Konzepts dauerte ein volles Jahrzehnt. Die daraus entstandene Klassifizierung hat eine Gültigkeit von 5 Jahren und wird danach revidiert. Eine Angabe findet sich zunächst auf den Etiketten der Jahrgänge 2018, 2019, 2020, 2021 und 2022.

Dabei werden die Rotweine in drei Kategorien unterteilt:  Cru Bourgeois, Cru Bourgeois Supérieur und Cru Bourgeois Exceptionnel.

Wie viele Châteaux wurden nach der Klassifizierung Crus Bourgeois du Médoc eingeteilt?

Insgesamt umfasst die Klassifierung der Crus Bourgeois 249 Châteaux mit regionalen und kommunalen AOC. Dabei gestaltet sich die Unterteilung wie folgt:

Crus Bourgeois

Wie kann sich ein Château als Crus Bourgeois qualifizieren?

Die Klassifizierung wird objektiv von einem unabhängigen Gremium vorgenommen, das die strengen Vorschriften und den genauen Prüfungsplan genau kontrolliert. Diese Jury besteht aus insgesamt sechs Personen, die auf ihrem jeweiligen Gebiet Experten sind. So müssen Châteaux, die sich qualifizieren möchten, eine Reihe von Tests durchlaufen. Dazu gehören beispielsweise sensorische Analysen. So werden in speziellen Blindverkostungen, von fünf Jahrgängen desselben Weins, die Weine bestimmt, die sich als Crus Bourgeois, Crus Bourgeois Supérieurs oder Crus Bourgeois Exceptionnels qualifizieren können.

Wer es schafft die Jury in der Blindverkostung davon zu überzeugen, dass die höheren Klassifizierungen „Cru Bourgeois Supérieur“ oder „Cru Bourgeois Exceptionnel“ angemessen sind, muss zudem die technischen sowie die Vertriebs- und Marketing-Aspekte erfüllen. Beim Punkt Technik werden die Bereiche Weinbau, Lese, Kellerarbeit, Lagerung und Qualitätssystem genau unter die Lupe genommen. Beim Aspekt Vertrieb und Marketing wird vor allem darauf geachtet wie sich das Château auf nationaler und internationaler Ebene präsentiert.

Wurden alle Tests erfolgreich abgelegt erfolgt die Klassifizierung aber erst dann, wenn das Château nachweisen kann, dass es besonders nachhaltig arbeitet. Dazu muss das von den französischen Behörden anerkannte Nachhaltigkeitszertifikat HVE 2 (Haute Valeur Environnementale) vorgelegt werden. Alternativ reicht es auch aus, wenn sich das Château gerade im Zertifizierungsprozess befindet. Die Klassifizierung gilt für fünf Jahre und wird auf den Etiketten der Jahrgänge 2018 bis 2022 zu sehen sein.

Bezahlbar, authentisch und mit einer großen Vielfalt

Crus Bourgeois

Ich bezeichne die Cru Bourgeois gerne als das bürgerliche Rückgrat des Weinbaus auf der dreiecksförmigen Halbinsel vor der Stadt Bordeaux. Alleine der Name impliziert schon, dass hier bodenständige Weine entstehen, die authentisch und für den Otto Normalbürger leistbar sind. Denn während die meisten Menschen davon ausgehen, dass ein erstklassiger Bordeaux teuer sein muss, so haben etliche Cru Bourgeois bereits bewiesen, dass sie ohne weiteres ganz oben mitspielen können. Es lohnt sich auf jeden Fall verschiedene Weine in dieser Klassifikationsstufe aus Médoc, Haut-Médoc, Listrac, Moulis, Margaux, Saint-Julien, Pauillac und Saint-Estèphe zu probieren. Die Vielfalt der unterschiedlichen Weine ist gewaltig und mit ein bisschen Glück entdeckst du vielleicht den nächsten Geheimtipp aus Bordeaux.

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Ich bin Daniel Bayer, der Wein Blogger hinter wein-verstehen.de. Wenn du mehr über diesen Blog erfahren möchtest und neugierig bist wer ich bin, dann klicke in der oberen Menüleiste auf den Punkt ÜBER MICH.

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