Die Franciacorta stand schon lange auf meiner Bucket List. Allein das Gebiet, welches in einer von Gletschern geformten Hügellandschaft südlich des Iseosees liegt, ist schon einen Besuch wert. Ein Paradies für Chardonnay, – Pinot Noir- und Weißburgunderreben, die auf ca. 2.900 Hektar Rebfläche die Basis für den Franciacorta DOCG bilden.

Deshalb ließ ich mir die Möglichkeit Italiens feinste Schaumweinregion im Rahmen einer Pressereise zu besuchen, nicht entgehen. Während unseres Aufenthalts nutzten wir die Zeit, um drei interessante Weingüter zu besuchen. Jedes Weingut war auf seine Art besonders und transportierte mit jedem Schluck eine Botschaft darüber, was es bedeutet Schaumwein in der Franciacorta zu produzieren.

Dabei lernten wir einiges über die Geschichte und Entstehung der Weinbauregion. Außerdem erklärten uns die Winzer und Önologen, weshalb das Klima und die geografischen Gegebenheiten in der Franciacorta so prädestiniert sind, um Spitzen-Schaumweine herzustellen. Alle drei Weingüter arbeiten streng biologisch und eines davon ist sogar als einziges Weingut in der Franciacorta biodynamisch zertifiziert. Natürlich möchte ich die wichtigsten Erkenntnisse und Erfahrungen aus der Reise mit dir teilen und wünsche dir deshalb nun viel Spaß mit diesem Artikel.

Franciacorta

Guido Berlucchi: Wie 1961 alles begann

Nach unserer Ankunft und dem Check-in im wunderschönen Hotel Rivalago, welches direkt am Lago d’Iseo gelegen ist, ging es schnurstracks zum ersten Weingut.

Unser Besuch führte uns direkt an die Anfänge der modernen Franciacorta. Es war Franco Ziliani, dem es 1961 erstmals gelang, mit Guido Berlucchi einen Schaumwein nach französischem Vorbild in der Franciacorta herzustellen. Motiviert und angefixt war der junge Italiener von seinem Ausbildungsbetrieb, dem Champagnerhaus Möet & Chandon in Frankreich. So nutzte er seine Fähigkeiten, um damals die ersten flaschenvergorenen Schaumweine nach der „Metodo Classico“ (traditionellen Flaschengärung) auf die Flasche zu ziehen.

Natürlich gelang dieses Unterfangen nicht sofort. Die Gegebenheiten in der Franciacorta sind komplett anders, als in der Champagne und bis zu diesem Zeitpunkt hatte es noch niemand gewagt ein solches Experiment überhaupt durchzuführen. So starteten die initialen Versuche bereits 1955 und es dauerte ganze sechs Jahre, bis die erste Auflage von rund 3.000 Flaschen in der Kellerei versiegelt wurde.

Als Erinnerung an diesen denkwürdigen Tag kann man noch heute die letzte der damals 3.000 produzierten Flaschen im Weinkeller von Berlucchi bestaunen. Generell kam ich aus dem Staunen nicht mehr heraus, als wir die Stufen in den antiken Gewölbekeller aus dem siebzehnten Jahrhundert hinabstiegen. Ein außergewöhnlicher Reifekeller, in dem die Schaumweine noch heute für mindestens zwei Jahre lagern.

Guido Berlucchi
Der Namensgeber Guido Berlucchi verstarb bereits zur Jahrtausendwende. Die Führung des heute biologisch produzierenden Weinguts übernahmen die Kinder von Ziliani: Cristina, Arturo und Paolo.

Barone Pizzini: Das erste Bioweingut in der Franciacorta

Nach einer großzügigen Verkostung ging es weiter zum Weingut Barone Pizzini. Dort hat man sich den Ruf als Biopionier erarbeitet. Denn unter der Leitung von Silvano Brescianini hat man schon 1998 damit begonnen nach und nach auf Bio umzustellen. Mit der Ernte 2002 war es dann so weit und der Betrieb wurde offiziell Bio zertifiziert. Ein mutiger Schritt, denn die Weinbauregion hat durchaus einen hohen Pilzdruck durch viele Gewitter und regelmäßige Niederschläge. Somit musste man sich gänzlich umstellen, um gegen Peronospora und andere Pilzkrankheiten im Weingarten gewappnet zu sein.

Brescianini betreut nebenbei das biodynamische Weingut Pievalta in den Marken und die organisch bewirtschafteten Poderi di Ghiaccioforte in der Maremma. Doch nicht nur das. Brescianini ist seit 2018 auch Präsident des Franciacorta-Konsortiums. Ein Mann mit Erfahrung und Weitblick. Jemand, der über den Tellerrand hinausblickt und sich auch Gedanken darüber macht, wie es im Zuge des Klimawandels weiter gehen könnte.

Heute werden mehr als 60 Prozent der Rebflächen in der Franciacorta biologisch bewirtschaftet, wobei der Fokus auf die Biodiversität gerichtet ist. Besonders beeindruckend ist auch er Neubau des Weinkellers mit Photovoltaik und Niedrigenergie-Technologie.

Barone Pizzini

Ist Erbamat die Antwort auf den Klimawandel?

Bis heute trägt das Weingut den Pioniergeist in sich, denn bereits jetzt macht man sich Gedanken über den Klimawandel. So hat das Konsortium die historische Rebsorte Erbamat für die Franciacorta genehmigt und im Weingut Barone Pizzini werden bereits jetzt die ersten Erfahrungen gesammelt. Kein Wunder, denn es war Silvano Brescianini selbst der sich für den Einsatz von Erbamat eingesetzt hat und an die historische Rebsorte glaubt.

Die nicht aromatische Sorte ist seit mehr als 500 Jahren in der Gegend um Brescia heimisch und ist aufgrund ihres besonderen Charakters vor allem für die Schaumweinproduktion geeignet. Grund dafür sind neben einer hohen Säure und einem niedrigen pH-Wert die Eigenschaft, dass sie erst spät reift. Aus diesem Grund wurde sie von den Bauern damals nicht mehr angebaut. Sie wurde einfach nicht richtig reif und bildete zu wenig Zucker in der Beere.

Heute hat sich das durch den Klimawandel wesentlich geändert. Die Sorte wird im Oktober gelesen, also wesentlich später als die restlichen Trauben und das kann auf lange Sicht der entscheidende Vorteil sein. Laut Brescianini bringt Erbamat als Verschnitt Frische und Finesse in die Schaumweine und trägt dazu bei diese länger jung zu halten. Dabei dürfen höchstens 10 % Erbamat in einer Franciacorta-Cuvée enthalten sein.

Barone Pizzini

1701: Das erste biodynamisch zertifizierte Weingut in der Franciacorta

Nach dem Besuch bei Barone Pizzini ging es weiter zum dritten und damit letzten Weingut unserer Reise. Vor den Mauern des geschichtsträchtigen Weingutes empfing uns der Önologe Giulio Salti. Er erklärte uns, dass dort bereits vor 300 Jahren Wein produziert wurde, was auch der Grund für die Namensgebung des Weingutes war. Denn 1701 wurde in diesen Weinbergen erstmals eine Ernte eingefahren. Trotz der langen Geschichte ist das Weingut noch recht jung, denn es wurde erst 2012 von Silvia und Federico Stefini gekauft.

Zu 1701 gehören rund 11 Hektar Rebfläche, die zu 80 % mit Chardonnay und 20 % mit Pinot Noir bestockt sind. Kein Weißburgunder, kein Erbamat. Das Besondere am Weingut ist aber, dass es als erstes Weingut in der Franciacorta biodynamisch zertifiziert ist. Es wird komplett im Einklang mit der Natur gearbeitet. Hier versteht man den Weingarten als Ökosystem, als einen lebendigen Organismus, der mit allem Verbunden ist. Statt einer einseitigen Monokultur wird eine Vielfalt an nützlichen Pflanzen und Insekten angestrebt, um für die Reben ein balanciertes und fruchtbares Umfeld zu schaffen.

Salti betont mehrmals, dass es das oberste Ziel sei das Terroir der Weinberge unverfälscht im Glas auszudrücken, ohne dabei auf synthetische Mittel zurückzugreifen. Mit Hilfe des Mondkalenders und den natürlich im Weinberg vorkommenden Hefen werden die Weine ohne Schönung oder Zugabe von chemischen Stoffen ausgebaut. Als Ergebnis erhält man große, komplexe Schaumweine, die ausdrucksstark und stolz ihre Herkunft widerspiegeln.

Weingut 1701 Franciacorta
Das Weingut 1701 der Geschwister Federico und Silvia Stefini ist der erste und bislang einzige biodynamisch zertifizierte Betrieb der Region.

Fazit

Franciacorta

Die Franciacorta liegt rund 50 Autominuten entfernt von Mailand mitten am idyllischen Lago d´Iseo. Wer im Weinberg steht und vor sich die sanfte Hügellandschaft betrachtet erhält einen Anblick, den er so schnell nicht vergisst. Die Region wurde vom lieben Gott mit einer Schönheit gesegnet, die absolut einzigartig ist. Dank einiger Pioniere und dem gemeinsamen Willen die Franciacorta voranzubringen, entstehen dort Schaumweine, die absolut zur Recht als die edelsten und hochwertigsten Perlen des ganzen Landes gehandelt werden.

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