Wenn ich mich in meinem Bekanntenkreis so umhöre, dann bekomme ich oft zu hören: „Franciacorta? Ist das ein neues Modelabel aus Italien?“ Dabei meinen es meine Bekannten gar nicht böse, sie kennen den Schaumwein aus der Lombardei einfach noch nicht. Wenn ich dann anfange ihnen zu erklären was sie alles verpassen und welche Vielfalt diese Schaumweine bieten, werden ihre Augen groß.

Was ist Franciacorta?

Die Franciacorta ist eine noch recht junge Weinbauregion, die sich südlich der Alpen und im Norden von Italien befindet. Die Landschaft ist geprägt von bewaldeten Höhenzügen, dem charmanten Iseosee, Weinbergen, grünen Hügelteppichen, alten Abteiein, mittelalterlichen Burgen und kleinen, malerischen Dörfern. Ein Ort zum Verlieben.

Franciacorta
Der Franciacorta war der erste im Flaschengärungsverfahren erzeugte Schaumwein, der in Italien im Jahr 1995 mit dem Gütesiegel „Kontrollierte und Garantierte Ursprungsbezeichnung“ (D.O.C.G.) prämiert wurde. Foto: MonteIsola @ ARTAMONOV TIMOR

Der Wein, der dort wächst heißt ebenso wie die Landschaft – Franciacorta. Und auch wenn die Landschaft von den eiszeitlichen Moränenböden des Alpenvorlandes geprägt wurde und das Gebiet über ein einzigartiges Terroir verfügt, so ist das noch lange kein Garant dafür Weine von internationalem Topformat zu erzeugen. Wenn es so wäre, dann hätte die Franciacorta den Schlüssel zum Erfolg schon viel früher gefunden.

Erst 1961 brachte das Weingut Berlucchi die ersten Schaumweine, welche traditionell auf der Flasche vergoren wurden, auf den Markt. Der Startschuss war gefallen. Nur losgelaufen ist zu diesem Zeitpunkt noch niemand und der große Hype blieb erstmal aus. Erst Ende der 70er-Jahre sprangen einige Kellereien auf den fahrenden Zug mit auf und sorgten dafür, dass die Franciacorta  vor Leidenschaft überschäumte. Auf einmal wollte jeder, der etwas auf sich hielt die feinen Bläschen genießen. Der Erfolg war unglaublich.

Wie wird ein Franciacorta hergestellt?

Das Besondere am Franciacorta ist neben seinem herausragenden Terroir, auch seine Herstellung. Alle Franciacorta Schaumweine werden nach einem aufwendigen Verfahren hergestellt, bei dem der bereits vergorene Wein (Grundwein) auf die Flasche gefüllt und mit einer Zucker-Hefe-Lösung versetzt wird, um ihn ein zweites Mal zu vergären. Dabei frisst die Hefe den Zucker auf und wandelt diesen in Alkohol und Kohlensäure um. Dieses Verfahren kennst du vielleicht bereits aus der Champagne, wo ebenfalls die Flaschengärung angewendet wird. Als Rebsorten für den Grundwein dürfen nur Chardonnay, Pinot Nero und Pinot Bianco verwendet werden.

Franciacorta
Für die Herstellung brauchen die Weinbauern viel Geduld: Erst 7 Monate nach der Weinlese wird dem Grundwein Hefe zugesetzt, dann wird er in Flaschen abgefüllt. Vor dem Verkauf muss er mindestens noch 18 Monate lang in der Flasche auf der Hefe liegen.

Was ist ein Satén Franciacorta?

Wenn du einmal etwas ganz besonderes aus der Franciacorta  probieren möchtest, dann kommst du um den Satén nicht herum. Er gilt als Spezialität und läuft wahnsinnig seidig und weich über den Gaumen. Seine feine, lang anhaltende und cremige Perlage ist einzigartig und löst selbst jetzt beim Schreiben das Verlangen in mir aus eine Flasche zu öffnen. Beim Satén wird auf die Rebsorte Pinot Nero, die wir auch als Spätburgunder kennen, verzichtet. Er darf nur aus weißen Trauben hergestellt werden und hat einen etwas geringeren Kohlensäuredruck auf der Flasche. Er muss unter fünf Atmosphären liegen und wird ausschließlich in der Geschmacksrichtung Brut produziert. Außerdem muss der Satén mindestens 24 Monate lang in der Flasche auf der Hefe liegen. Winzer müssen also einen sehr langen Atem und eine Engelsgeduld mitbringen.

Der Franciacorta Riserva muss sogar min. 60 Monate auf der Hefe gelegen haben und kommt deshalb erst nach mehr als 5 Jahren in den Verkauf!


Was macht einen Franciacorta so besonders?

Ich liebe Winzersekte aus Deutschland und ich trinke wahnsinnig gerne Champagner. Jeder Schaumwein ist einzigartig und spiegelt den Geschmack und die Seele seiner Region wieder. Die Franciacorta beispielsweise liegt im Vergleich zur wesentlich kühleren Champagne viel weiter südlich und hat anstatt der Rebsorte Pinot Meunier, die es in der Franciacorta nicht gibt, den Weißburgunder (Pino Bianco). Trotzdem gibt es relativ wenig Pino Bianco in der Region, weshalb der größte Teil der Weinberge mit Chardonnay bestockt ist. Chardonnay ist also die Hauptrebsorte in der Franciacorta und schmeckt im Gegensatz zur Champagne ganz anders. Kein Wunder, denn in der Champagne haben wir ein anderes Klima und weiße Kalkböden. Durch das mildere Klima und die unterschiedlichen Böden werden die Weine in der Franciacorta sehr fruchtbetont und umschmeicheln den Gaumen mit Apfel, Zitrus- und Pfirsicharomen.

Ob der Boden den Geschmack des Wein wirklich prägt, hat Martin Darting in einem sehr spannenden Interview ausführlich erläutert. Klicke jetzt hier, um das Gespräch anzuhören: Wird Wein fast immer falsch beschrieben? Martin Darting über Mineralität, Terroir und Sensorik

Wo erfahre ich noch mehr über die Franciacorta?

Bisher haben wir nur an der Oberfläche gekratzt. Zur Franciacorta gibt es noch so viel mehr zu erzählen und zu entdecken. Wenn du mehr Input brauchst und du bei einer intensiven Franciacorta Verkostung lauschen möchtest, habe ich etwas für dich. Gemeinsam mit dem bekannten Weinkenner und Autor Jens Priewe habe ich verschiedene Schaumweine unterschiedlicher Typologien probiert und diese im Podcast beschrieben. Wir sind ausführlich darauf eingegangen welchen Einfluss das Klima, die Landschaft und der Boden auf den Geschmack der Weine hat und weshalb Franciacorta Schaumwein zu den besten Vertretern seiner Art gehört. Klicke jetzt auf Franciacorta – Alles was du wissen musst!| Jens Priewe im Interview

Jens Priewe Franciacorta
links: Jens Priewe, rechts: meine Wenigkeit (Daniel Bayer)
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Ich bin Daniel Bayer, der Wein Blogger hinter wein-verstehen.de. Wenn du mehr über diesen Blog erfahren möchtest und neugierig bist wer ich bin, dann klicke in der oberen Menüleiste auf den Punkt ÜBER MICH.

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