Es hat etwas beruhigendes an sich. Wie sich die rote Flüssigkeit kreisend im Weinglas bewegt. Sicher hast du schon mal einen Weintrinker dabei beobachtet. Wie er elegant und kunstvoll das Weinglas geschwenkt hat. Ich selbst mache das auch. Gelegentlich ertappe ich mich sogar dabei, wie ich reflexartig Wasser im Glas schwenke.

Längst ist das Schwenken zu einer Art Routine geworden. Diese hinterfragen wir nicht mehr. Wir führen sie nur noch wie in Trance oder auf Autopilot aus. Doch warum schwenken wir Wein eigentlich im Glas? Und was bringt das überhaupt?

Warum schwenkt man Wein im Glas?

Beim behutsamen Schwenken des Weinglases reagiert die darin enthaltene Flüssigkeit mit dem Sauerstoff in der Luft. Das führt dazu, dass sich der Rotwein an der Luft öffnet und seine Aromen besser zur Geltung kommen. Diese können dann über den Geruchssinn leichter wahrgenommen werden. Die Duftstoffe lösen sich und fliegen durch die Luft.

Weinaromen
Hier schwenke ich das Gabriel Glas, welches ich so gerne zum Verkosten meiner Weine verwende

Woher kommen die Schlieren im Wein?

Außerdem führt die Bewegung des Weins im Glas dazu, dass sich dickflüssige Tropfen an der Glaswand bilden. Diese Tropfen bzw. Schlieren verraten dem Weinkenner bereits eine Menge. Geübte Weintrinker können bereits erste Rückschlüsse auf den Alkoholgehalt des Weines ziehen.

Dabei gilt:

Je mehr Wein an der Glaswand herunterläuft, desto gehaltvoller ist dieser. Kenner bezeichnen diese dickflüssigen Tropfen übrigens als Tränen.

Diese Tränen entstehen durch die Oberflächenspannung des Weins. Dabei sind Weine mit einem gewissen Zucker- oder erhöhten Alkoholgehalt viskoser und bilden dickere Tränen. Langsam laufende Tränen deuten deshalb auf einen höheren Alkoholgehalt hin, sind aber kein Ausdruck von Qualität. [MAD-16] Diese Tränen werden übrigens oft auch als Kirchenfenster bezeichnet.

Wie du das Weinglas richtig schwenkst

Beim Versuch das Weinglas kunstvoll zu schwenken passiert es immer wieder, dass unliebsame Rotweinflecken auf der Kleidung landen. Und das kann nervig sein. Rotweinflecken lassen sich nämlich nur schwer wieder herauswaschen.

Wenn tatsächlich Flecken auf den weißen Hemdsärmeln landen, kann das an zwei Gründen liegen. Entweder du hast zuviel getrunken und der Wein zeigt bereits seine Wirkung. Oder du kennst die richtige Technik nicht, um den Wein richtig zu schwenken. Wenn es nur das fehlende Wissen ist, kann ich dir im Folgenden helfen.

Für den Anfang kann es hilfreich sein, das Weinglas auf dem Tisch sehen zu lassen und von dort aus langsam und gleichmäßig, kreisende Bewegungen durchzuführen. Wichtig ist auch, dass du nicht zuviel in das Weinglas einschenkst. Es ist wesentlich schwerer ein volles Weinglas zu schwenken, als ein moderat befülltes Glas.

Als Menge solltest du für den Anfang nicht mehr als 100 ML verwenden. Wenn dir das gelungen ist, hast du schon ein gutes Gefühl für die Flüssigkeit entwickelt. Du kannst nun versuchen den Rotwein ohne die Hilfe des Tisches zu schwenken. Dabei solltest du grundsätzlich darauf achten ein bauchiges, hohes Weinglas zu verwenden. Außerdem solltest du wieder mit einem niedrigen Füllstand beginnen.

Wie du das Glas greifen solltest, um den Wein zu schwenken

Auch ein langer Stiel ist hilfreich und erleichtert das Schwenken ungemein. Um den Wein in Bewegung zu versetzen, genügt es, wenn du das Glas am Stiel greifst und mit der Hand eine schwungvolle, kreisende Bewegung ausführst. Der Wein folgt dieser dann. Um die Eigenrotation aufrecht zu erhalten, genügt meist ein lockeres, fast unsichtbares Schwenken aus dem Handgelenk.

Wenn alles geklappt hat, solltest du nun am Wein riechen. Du wirst den Unterschied des geschwenkten Weins, zum unbewegten Wein rasch erkennen. Der Wein wird wesentlich zugänglicher und aromatischer wirken, als im unbewegten Zustand.

Weinglas richtig greifen
So solltest du das Weinglas nicht greifen. Nimm das Weinglas immer am Stil in die Hand. Das sieht nicht nur besser aus, sondern verhindert auch, dass du die Flüssigkeit mit der Temperatur deiner Hände erwärmst.

Fazit

Ein Weinglas zu schwenken ist kein Hexenwerk. Wenn du einmal das Gefühl für die Flüssigkeit entwickelt hast, wirst du die Bewegung fast automatisch ausführen. Diese Routine wirkt zumindest auf mich durchaus beruhigend und kann helfen sich vor dem eigentlichen Verkosten zu sammeln und zu konzentrieren.

Außerdem verhilft das Schwenken des Weinglases dem Wein dazu Sauerstoff zu tanken und sich zu öffnen. Der Duft kann dann leichter mit der Nase wahrgenommen und analysiert werden. Zudem bilden sich Tränen an der Glaswand. Anhand der Dicke dieser Tränen lassen sich Rückschlüsse auf den Alkohol- oder Zuckergehalt des Weines ziehen.

Quellen:

[MAD-16] Madeline Puckette: Der ultimative Wein-Guide. Wilhelm Heyne Verlag München, 2016, 3. Auflage

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  1. Eine kleine Ergänzung:

    „Durch das voreilige Schwenken werden die beim Einschenken freiwerdenden feinen Aromastoffe unwiederbringlich von den kräftigeren Aromen überdeckt.

    Somit einschenken, vorsichtig schnuppern und wenn dann die feinen Noten weggeschnuppert worden sind, den Wein schwindelig machen.“

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