Es hat etwas beruhigendes an sich.

Wie sich die rote Flüssigkeit kreisend im Weinglas bewegt.

Sicher hast du schon mal einen Weintrinker dabei beobachtet. Wie er elegant und kunstvoll das Rotweinglas geschwenkt hat.

Ich selbst mache das auch.

Gelegentlich ertappe ich mich sogar dabei, wie ich reflexartig Wasser im Glas schwenke.

Längst ist das Schwenken zu einer Art Routine geworden.

Diese hinterfragen wir nicht mehr. Wir führen sie nur noch wie in Trance durch.

Doch warum schwenken wir Rotwein im Glas?

Und was bringt das überhaupt?

Warum du das Weinglas schwenken solltest

Beim behutsamen Schwenken des Weinglases reagiert die darin enthaltene Flüssigkeit mit dem Sauerstoff in der Luft.

Das führt dazu, dass sich der Rotwein an der Luft öffnet und seine Aromen besser zur Geltung kommen.

Diese können dann über den Geruchssinn leichter wahrgenommen werden. Die Duftstoffe lösen sich und fliegen durch die Luft.

Außerdem führt die Bewegung des Rebsafts im Weinglas dazu, dass sich dickflüssige Tropfen an der Glaswand bilden.

Diese Tropfen verraten dem Weinkenner bereits eine Menge.

Geübte Weintrinker können bereits erste Rückschlüsse auf den Alkoholgehalt des Weines ziehen.

Dabei gilt:

Je mehr Wein an der Glaswand herunterläuft, desto gehaltvoller ist dieser. Kenner bezeichnen diese dickflüssigen Tropfen übrigens als Tränen.

Diese Tränen entstehen durch die Oberflächenspannung des Weins. Langsam laufende Tränen deuten auf einen höheren Alkoholgehalt hin, sind aber kein Ausdruck von Qualität. [MAD-16]

Wie du das Weinglas richtig schwenkst

Beim Versuch das Weinglas kunstvoll zu schwenken passiert es immer wieder, dass unliebsame Rotweinflecken auf der Kleidung landen.

Und das kann nervig sein. Rotweinflecken lassen sich nämlich nur schwer wieder herauswaschen.

Wenn tatsächlich Flecken auf den weißen Hemdsärmeln landen, kann das an zwei Gründen liegen.

Entweder du hast zuviel getrunken und der Wein zeigt bereits Wirkung.

Oder du kennst die richtige Technik nicht, um den Wein richtig zu schwenken. Wenn es nur das fehlende Wissen ist, kann ich dir im Folgenden helfen.

Für den Anfang kann es hilfreich sein, das Weinglas auf dem Tisch sehen zu lassen und von dort aus langsam und gleichmäßig, kreisende Bewegungen durchzuführen.

Wichtig ist auch, dass du nicht zuviel in das Weinglas einschenkst. Es ist wesentlich schwerer ein volles Weinglas zu schwenken, als ein moderat befülltes Glas.

Als Menge solltest du für den Anfang nicht mehr als 100 ML verwenden.

Wenn dir das gelungen ist, hast du schon ein gutes Gefühl für die Flüssigkeit entwickelt.

Du kannst nun versuchen den Rotwein ohne die Hilfe des Tisches zu schwenken. Dabei solltest du grundsätzlich darauf achten ein bauchiges, hohes Weinglas zu verwenden.

Außerdem solltest du wieder mit einem niedrigen Füllstand beginnen.

Auch ein langer Stiel ist hilfreich und erleichtert das Schwenken ungemein.

Um den Rotwein in Bewegung zu versetzen, genügt es, wenn du das Glas am Stiel greifst und mit der Hand eine schwungvolle, kreisende Bewegung ausführst.

Der Wein folgt dieser dann.

Um die Eigenrotation aufrecht zu erhalten, genügt meist ein lockeres, fast unsichtbares Schwenken aus dem Handgelenk.

Wenn alles geklappt hat, solltest du nun am Wein riechen. Du wirst den Unterschied des geschwenkten Rotweins, zum unbewegten Rotwein rasch erkennen.

Der Wein wird wesentlich zugänglicher und aromatischer wirken, als im unbewegten Zustand.

Fazit

Ein Weinglas zu schwenken ist kein Hexenwerk.

Wenn du einmal das Gefühl für die Flüssigkeit entwickelt hast, wirst du die Bewegung fast automatisch ausführen.

Diese Routine wirkt zumindest auf mich durchaus beruhigend und kann helfen sich vor dem eigentlichen Verkosten zu sammeln und zu konzentrieren.

Außerdem verhilft das Schwenken des Weinglases dem Wein dazu Sauerstoff zu tanken und sich zu öffnen.

Der Duft kann dann leichter mit der Nase wahrgenommen und analysiert werden.

Zudem bilden sich Tränen an der Glaswand. Anhand der Dicke dieser Tränen lässt sich ein Rückschluss auf den Alkoholgehalt des Weines ziehen.

 

 

Quellen:

[MAD-16] Madeline Puckette: Der ultimative Wein-Guide. Wilhelm Heyne Verlag München, 2016, 3. Auflage

 

Ich bin Daniel Bayer, der Wein Blogger hinter wein-verstehen.de. Wenn du mehr über diesen Blog erfahren möchtest und neugierig bist wer ich bin, dann klicke in der oberen Menüleiste auf den Punkt ÜBER MICH.

2 KOMMENTARE

  1. Eine kleine Ergänzung:

    „Durch das voreilige Schwenken werden die beim Einschenken freiwerdenden feinen Aromastoffe unwiederbringlich von den kräftigeren Aromen überdeckt.

    Somit einschenken, vorsichtig schnuppern und wenn dann die feinen Noten weggeschnuppert worden sind, den Wein schwindelig machen.“

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here