Hast du schon einmal den Ausführungen eines Weinkenners gelauscht und dir gedacht:

„Von was zum Teufel redest du da eigentlich?“

Hast du das schon einmal erlebt?

Falls ja, dann bist du ganz sicher nicht der Einzige. Ehrlich.

Es wiederholt sich ständig und überall.
Ob beim Weinhändler, auf einer Weinmesse oder auf einer Familienfeier.

Immer wieder höre ich die gleiche Geschichte.

Sobald ein Mensch, der mit Wein bisher wenig zu tun hatte auf einen Weinkenner trifft, ist es so, als ob fremde Welten aufeinander treffen.

Für den Laien klingt es, als ob sich der Experte einer Art Geheimsprache bedienen würde, wenn er plötzlich anfängt von Dingen wie Terroir zu sprechen.

Der Weinkenner redet so selbstbewusst und beiläufig, dass der Laie Angst hat zu Fragen: „Was ist Terroir?“

Man will sich einfach die Erniedrigung ersparen als Idiot oder Hinterwäldler abgestempelt zu werden, so dass man lieber schweigt und verständnisvoll nickt.

Ich kann diese Reaktion verstehen. Das ist ganz natürlich.
Jeder will sich selbst schützen und einer peinlichen Situation entgehen.

Vielleicht hast du eine solche Situation vor kurzem erst erlebt und suchst nun nach Antworten? Dann bist du hier genau richtig.

Was bedeutet Terroir?

Es gibt Wörter in Fremdsprachen, für die es keine eindeutige Übersetzung ins Deutsche gibt.

Terroir ist so ein Wort.

Es stammt ursprünglich aus dem Französischen und leitet sich vom lateinischen Wort terra ab.

Vielleicht hattest du Latein in der Schule? Dann weißt du, dass es „Erde“ bedeutet.

So einfach ist es aber nicht. Terroir kann unterschiedlich interpretiert werden und sagt so viel mehr aus.

Aber der Reihe nach.

Bevor du alle Einzelheiten erfährst, fasse ich den Begriff für dich auf das Wesentliche zusammen. Das ist wichtig, damit du den Überblick nicht verlierst.

Das Thema ist nämlich sehr komplex.

Terroir ist im Grunde ein Ausdruck,

  • um verschiedene Faktoren aus der Natur und Umwelt,
  • in einem bestimmten Gebiet
  • und deren Einfluss auf den Wein

zu beschreiben.

Welche Einflussfaktoren das sind und wie diese auf den Wein wirken, erfährst du nun im weiteren Verlauf des Beitrags.

Welchen Einfluss hat das Terroir auf den Wein?

Wie du oben bereits gelernt hast, leitet sich Terroir zwar vom lateinischen Wort für Erde ab, Weinkenner meinen aber weitaus mehr, als nur den Grund und Boden, auf dem die Trauben gewachsen sind.

Im Folgenden nenne ich dir 4 maßgebliche Einflussfaktoren und wie sich diese auf den Wein auswirken.

  1. Boden: Wie wirkt der Boden auf den Wein?

Zwar betone ich immer wieder, dass der Boden nur eine Facette des Terroirs darstellt, das bedeutet aber nicht, dass diese vernachlässigt werden kann.

Tatsächlich ist der Grund, auf dem die Rebe wächst, von immenser Bedeu­tung für die Art und Qualität des späteren Weins.

Vielleicht hast du schon einmal Riesling von der Mittelmosel probiert. Wenn du diesen bewusst verkostest, kannst du bei einigen qualitativ hochwertigen Weinen das typische Schiefer Bouquet wahrnehmen, welches dem Blauschieferboden geschuldet ist.

Diese Weine zählen zu den besten Rieslingen der Welt.

Aber auch in anderen Weinbauregionen sind bestimmte Bodentypen dafür bekannt, aufgrund ihrer beson­deren mine­ra­li­schen Zusam­men­set­zung große Weine hervorzubringen.

Weitere Beispiele sind:

  • Feuer­stein an der Loire
  • oder die Kalkböden der Côte d’Or im Burgund

Damit die Rebsorten ihr volles Potential entfalten können, müssen im Boden bestimmte Voraussetzungen vorhanden sein.

Nur wenn diese erfüllt sind, kann der Boden eine gute Lebensgrundlage der Reben als Speicher für Nährstoffe und Wasser schaffen.

Der Boden sollte…

  • locker und durchlässig sein (geringe Dichte; eine Handlese verhindert die Verdichtung des Bodens)
  • hell sein (die Reflexion eines hellen Kalkbodens führt zu einer geringeren Erwärmung der Oberflächentemperatur des Bodens)
  • besser steinig als lehmhaltig sein
  • fruchtbar und lebendig sein (d.h. es sollten viele Mikroorganismen enthalten sein, die organische Säuren freisetzen und wiederum die Mineralstoffe im Boden für die Rebe verfügbar machen)

Wenn diese Voraussetzungen erfüllt sind,…

  • können die Reben tiefe Wurzeln bilden (um wertvolle Mineralstoffe aus dem Boden zu ziehen)
  • kann der Boden Klimaeinflüsse wie Temperaturschwankungen und Niederschlag puffern (z.B. Wärme länger speichern oder fehlenden Regen überbrücken)

Anmerkung: Das waren nur ein paar Beispiele. Die Auflistung aller Fakten würde den Umfang dieses Beitrags sprengen und zu sehr im Detail versinken.
Du sollst erfahren was Terroir ist und keinen Exkurs in Geologie erhalten.
Wenn du trotzdem mehr zum Thema Böden herausfinden möchtest, findest du im Quellenverzeichnis am Ende des Artikels Links zu interessanten Studien und Beiträgen. [IVW]

  1. Gelände: Wie prägt das Gelände das Terroir?

Weiter geht es mit dem Geländeprofil. Auch das Terrain beeinflusst maßgeblich das Terroir und damit den Wein.

Du stellst dir die Frage wie das geht? Kein Problem.

Im Folgenden erhältst du 5 Beispiele wie sich das Gelände auf das Wachstum der Reben auswirken kann.

  1. Allein die unmittelbare Nähe zu einem Wald kann bereits hilfreich sein. So kann der Wald den Reben Schutz bieten, indem er Wind abfängt und in Phasen der Trockenheit als Wasserspeicher fungieren
  2. Eine Hanglage mit Ausrichtung zur Sonne, also in südlicher Richtung, ermöglicht eine lange und optimale Sonneneinstrahlung
  3. Je geneigter der Hang ist, desto höher ist die Sonneneinstrahlung und desto geringer ist die Kaltluftgefährdung des Weinberges
  4. Auch die unmittelbare Nähe zu einem Fluss kann sich positiv auf die Reben auswirken, da dieser als Wärmespeicher dienen kann
  5. Ebene Tallagen sind besonders frostgefährdet, da sich vor allem in Tieflagen in Herbst und Winter die Kaltluft aufstaut und sammelt

Dir sind das zu viele Informationen? Dann reicht es eigentlich wenn du dir folgendes merkst.

Ein idealer Standort sollte dort sein, wo die Trauben vollständig, aber langsam reifen können. Hanglagen mit südlicher Ausrichtung liefern herfür die besten Voraussetzungen. Die Sonnenbestrahlung ist viel länger und intensiver als in ebenen Lagen. Außerdem werden die Reben besser vor Wind und Kälte geschützt.

Dir waren das zu wenig Informationen? Dann kannst du gerne am Ende des Beitrags im Quellenverzeichnis stöbern. Du findest dort weiterführende Literatur und Studien zur Topografie. [UNI]

  1. Klima: Wie beeinflusst das Klima den Wein?

Was würdest du sagen, wenn dir jemand weiß machen möchte:

„Bei diesem Wein schmecke ich die Sonne!“

Nun, ich vermute du wärst entweder total beeindruckt oder du denkst dir: „Der Typ ist höchstens zu lange in der Sonne gelegen.“

Was ist aber wenn ich dir sage, dass es möglich ist anhand des Geschmacks im Wein einen Rückschluss auf das Klima zu ziehen?

Tatsächlich ist es so, dass Trauben aus warmen Anbauregionen einen höheren Zuckergehalt entwickeln können, als Beeren aus kühlen Regionen.

Vielleicht ahnst du schon wohin das führt.

Dadurch, dass die Beeren mehr Zucker gebildet haben, entstehen während der Weinherstellung kräftigere Weine mit einem höheren Alkoholgehalt. Als Ergebnis erhält man fruchtbetonte, schwere und säurearme Weine.

In kühleren Anbaugebieten ist es umgekehrt. Die Trauben dort verfügen über weniger Zucker und enthalten dafür mehr Säure. Deshalb bringen besonders kühle Weinbauregionen lebendige und frische Weißweine hervor.

Beispiel: In Kalifornien gibt es ein weltbekanntes Weinbaugebiet namens Napa Valley. Dort befindet sich auch Oakville, ein Ort, der im Vergleich zum berüchtigten Médoc in Bordeaux, etwas mehr Sonne und Wärme genießt.
Während in beiden Weinbauregionen Cabernet Sauvignon produziert wird, zeichnet sich der Médoc durch eine frischere Säure aus.

Auch zum Klima gibt es noch einige Einflussfaktoren, die hier den Rahmen des Beitrags sprengen würden. Wenn du noch mehr erfahren möchtest, findest du am Ende des Artikels weiterführende Literatur und Studien zum Klima. [WTB]

  1. Mensch: Welchen Einfluss hat der Mensch auf den Wein?

Was denkst du?

Welchen Einfluss hat der Mensch auf das Terroir?

Du bist dir nicht sicher?

Nun. Vielleicht beruhigt es dich, wenn ich dir sage, dass sich selbst renommierte Fachbuch-Autoren, Journalisten und Winzer darüber uneinig sind.

Terroir ist nämlich kein eindeutiger und klar definierbarer Begriff.

Das Thema ist derart komplex, dass es nicht vollständig nach skalierbaren Kriterien definiert werden kann.

Deshalb gehen die Meinungen der Weinexperten besonders beim Einfluss des Menschen deutlich auseinander.

Dabei lassen sich die Standpunkte in zwei verschiedene Lager spalten.

Für die einen gehört der Mensch zum Terroir dazu, für die anderen nicht.

Was ist deine Meinung?

Denkst du, dass das Terroir hauptsächlich von der Natur geprägt wird und weder durch den Menschen beeinflussbar ist, noch durch verschiedene Weinbereitungs-Techniken veränderbar ist?

Oder denkst du, dass Weinberg- und Kellerarbeit als über Generationen weitergebenes Wissen und kulturelles Erbe des Winzers zum Terroir dazu zählen?

Schreib es in die Kommentare.

Eigene Meinung

Ich fass mich kurz.

Meiner Meinung nach kann Terroir nicht isoliert vom Menschen betrachtet werden.

Ich begründe das damit, dass die Terroirausprägung in Weinen durch weinbauliche und kellertechnische Maßnahmen entweder betont oder komplett überlagert werden kann.

So kann der Einsatz von Reinzuchthefen und anderen Additiven das Terroir verdecken.

Während eine puristische Weinbereitung dazu führen kann das Terroir zugelassen wird. Hierbei spielen das know how, die Erfahrung und das Können eines Winzers eine große Rolle. Weniger ist hier mehr.

Fazit

Um den Grundgedanken noch einmal auf den Punkt zu bringen, möchte ich an dieser Stelle den französischen Winzer Bruno Prats zitieren, der es sehr schön formuliert hat:

„Der französische Begriff Terroir erfasst alle natürlichen Voraussetzungen, die die Biologie des Weinstocks und demzufolge die Zusammensetzung der Traube selbst beeinflussen. Terroir ist das Zusammentreffen von Klima, Boden und Landschaft, das Zusammenwirken einer unendlichen Anzahl von Faktoren: Nacht- und Tages-Temperaturen, Niederschlags-Verteilung, Sonnenschein-Stunden, Hangneigung und Boden-Durchlässigkeit, nur um einige wenige zu nennen. Alle diese Faktoren reagieren miteinander und bilden in jedem einzelnen Teil eines Weinbaugebietes das, was der französische Winzer Terroir nennt.“

Wenn du dir den Kern dieses Zitates merken kannst, dann hast du eine gute Vorstellung vom Terroir.

Zum Schluss möchte ich dir noch ein Zitat zum Nachdenken mit auf den Weg geben.

Dieses stammt vom spanischen Künstler Salvador Dalí.

Er hat einmal etwas inspirierendes gesagt:

„Wer genießen kann, trinkt keinen Wein mehr, sondern kostet Geheimnisse.“

(Salvador Dalí, 1904-1989)

Ob er damit das Terroir gemeint hat?

 

Quellenverzeichnis:

[IVW] Dr. Dietmar Rupp; Staatliche Lehr- und Versuchsanstalt für Wein- und Obstbau Weinsberg; http://www.lvwo-bw.de/pb/,Lde/Startseite/Fachinformationen/Stein+und++Wein?LISTPAGE=670166; aufgerufen am 22.02.2018

[WTB] http://www.wein-terroir.at/web/index.php?seite=seite&id=13; aufgerufen am 22.02.2018

[UNI] https://www.uni-hohenheim.de/lehre370/weinbau/landschaft/Landschaft%202%20Skript.pdf; aufgerufen am 23.02.2018

Ich bin Daniel Bayer, der Wein Blogger hinter wein-verstehen.de. Wenn du mehr über diesen Blog erfahren möchtest und neugierig bist wer ich bin, dann klicke in der oberen Menüleiste auf den Punkt ÜBER MICH.

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