Kennst du das?

Du probierst einen Wein und denkst darüber nach, wie er schmeckt.

Du suchst nach den richtigen Worten, während die Zeit erbarmungslos verstreicht.

Aber irgendwie weißt du nicht wie du anfangen sollst.

Nach langem Überlegen bringst du meistens nicht mehr hervor als: „…schmeckt ganz gut der Wein.“

Dabei sieht es bei den Anderen immer so einfach aus.

Wie oft hast du schon beobachtet, dass jemand kurz einen Wein verkostet und wie aus der Pistole geschossen, einige Aromen aufzählen und etwas zum Ausbau des Weins sagen kann?

Wenn dir diese Situation bekannt vorkommt und du gerne mehr über Wein sagen möchtest, dann habe ich genau das Richtige für dich.

Hier sind 4 einfach Schritte, mit denen du lernen kannst Wein richtig zu verkosten.

  1. Bewerte den Wein optisch

Wein verkosten fängt mit den Augen an.

Wusstest du, dass du beim bloßen Betrachten eines Weins wertvolle Erkenntnisse erlangen kannst?

Du kannst nicht nur Unterscheiden, ob es sich um einen Rot- oder Weißwein handelt. Du kannst auch Rückschlüsse über…

  • das Alter des Weines
  • den Alkoholgehalt
  • Klima
  • die Rebsorte
  • die Art des Ausbaus

… ziehen.

Ist das nicht toll?

Du musst dafür kein Talent für das Schmecken oder Riechen haben, sondern einfach nur ein geschultes Auge.

Zwar lässt sich anhand der optischen Erscheinung keine 100 % genaue Aussage über die genannten Rückschlüsse treffen, aber du hast dadurch einen Ansatzpunkt.

Auf diesen Ansatz kannst du aufbauen und prüfen, ob sich deine Erkenntnisse beim späteren Riechen und Schmecken bestätigen lassen.

So weit, so gut.

Du stimmst mir also zu, dass das eine großartige Sache ist.

Aber. Du hast keine Ahnung wie du dabei vorgehen sollst.

Kein Problem. Zwar ist die optische Erscheinung eines Weins ein komplexes Thema, aber grundsätzlich musst du dabei nur auf drei verschiedene Dinge achten:

  • Farbton
  • Intensität, Klarheit
  • Viskosität

Diese drei Punkte können dir so einiges über den Wein verraten. Bevor du aber loslegst, solltest du sicherstellen, dass du gute Sehverhältnisse hast.

Damit du den Wein optisch beurteilen kannst, solltest du…

  • das Weinglas vor einen weißen, ungemusterten Hintergrund halten (weiße Tischdecke)
  • den Wein im Tageslicht ohne direkte Sonnenbestrahlung betrachten, um die richtige Farbe zu erkennen
  • Neonlicht und Kerzenschein meiden (Neonlicht neigt dazu, die Farbe bräunlicher erscheinen zu lassen, wodurch du falsche Informationen über den Wein erhältst)

Tipp: Wenn du auf einer öffentlichen Weinprobe bist und dort nur farbige und gemusterte Tischdecken vorfindest, dann halte dein Weinglas vor weißes Papier. Nimm dir einfach ein paar Blätter loses, weißes Papier mit, welches du auch für Notizen verwenden kannst.

Wenn du also die optimalen Rahmenbedingungen geschaffen hast, kannst du loslegen.

Halte das Glas schräg vor einen weißen Hintergrund und versuche die Farbe und die Farbintensität zu erkennen.

Der Wein kann viele verschiedene Farbtöne aufweisen. Damit du einen ungefähren Überblick hast, erhältst du nun einige Beispiele: [JEN-07]

Weißwein:

  • Glanzhell: Pinot Grigio / Grauburgunder
  • Strohgelb: Sauvignon Blanc
  • Zitronengelb: junger Chardonnay
  • Goldgelb: reifer Chardonnay
  • Altgolden: reifer Sauternes
  • Bernsteingelb: Amontillado Sherry

Rotwein:

  • Schwarzrot: junger Ribera del Duero
  • Rubinrot: junger Médoc
  • Kirschrot: junger Chianti Classico
  • Purpurrot: St-Emilion, 10 Jahre alt
  • Ziegelrot: Barolo, 15 Jahre alt
  • Granatrot: Burgunder, 30 Jahre alt

 

Welche Farbe kann Wein haben?
©Wine Folly, Madeline Puckette

Du hast die Farbe bestimmt? Großartig.

Dann kannst du nun herausfinden, ob es sich um einen Wein mit viel oder wenig Alkohol handelt.

Dazu musst du nur das Glas schwenken.

Wie das geht?

Ich habe darüber einen interessanten Artikel veröffentlicht. Wenn du noch nicht weißt wie es geht, lies den Artikel am Besten kurz und komm dann wieder zurück: Warum du Rotwein schwenken solltest und wie du es richtig machst.

Wenn du den richtigen Dreh bereits raus hast, dann schwenke das Glas jetzt.

Die Bewegung des Rebsafts im Weinglas führt dazu, dass sich dickflüssige Tropfen an der Glaswand bilden.

Dabei gilt: Je mehr Wein an der Glaswand herunterläuft, desto gehaltvoller ist dieser. Kenner bezeichnen diese dickflüssigen Tropfen als Tränen.

Diese Tränen entstehen durch die Oberflächenspannung des Weins. Langsam laufende Tränen deuten auf einen höheren Alkoholgehalt hin, sind aber kein Ausdruck von Qualität. [MAD-16]

Wenn du die Farbe, Intensität und Viskosität betrachtet hast, kann du nun einige Rückschlüsse ziehen.

Dazu erhältst du im Folgenden einige Beispiele:

  • Während Weißwein mit zunehmenden Alter immer kräftigere Farbtöne entwickelt, verliert Rotwein seine Farbintensität [JEN-07]
  • Je gereifter ein Wein ist, desto größer ist die Farbdifferenz zwischen Kern und äußerer Kante [JEN-07]
  • Ein fast klarer, durchsichtiger Weißwein, der das Licht reflektiert, ist meist jung und nicht in Eiche ausgebaut [MAD-16]
  • Der Ausbau im Eichenfass verleiht einem Weißwein dank der natürlichen Oxidation im Fass häufig eine tiefgoldene Tönung [MAD-16]
  • Blasse Rotweine enthalten weniger von dem Pigment Anthocyane. Dieses oft blasse Granatrote weißen z.B. Pinot Noir oder Gamay auf [MAD-16]
  • Weine mit Rotstich, wie Merlot, Sangiovese, Tempranillo oder Nebbiolo, besitzen meist eine höhere Säure, als Weine mit blau-violetter Tönung [MAD-16]
  • Rotweine, wie Aglianico, Malbec oder Syrah enthalten mehr Anthocyan und zeichnen sich durch ein tiefes Violett aus [MAD-16]
  • Bordeaux-Weine, besonders aber Burgunder, tendieren nach 20 Jahren oft ins Bräunliche und werden beinahe unansehnlich (schmecken aber fantastisch) [JEN-07]
  • Dunkelfarbige und farbintensive Weine kommen häufiger in heißen, als in kühlen Anbaugebieten vor [JEN-07]

Wenn du dir jetzt denkst: „Wow, das klingt alles wirklich wahnsinnig interessant, aber was zum Teufel sind Anthocyane?“

Dann, empfehle ich dir kurz diesen Beitrag durchzulesen: Warum ist Rotwein rot und Weißwein weiß?

Falls du es schon weißt, können wir direkt zum nächsten Schritt übergehen.

  1. Rieche am Wein

Bist du bereit?

Nun geht es nämlich ans Eingemachte.

Um Wein richtig zu verkosten, ist vor allem ein gut geschulter Geruchssinn notwendig.

Was für ein Glück, dass der Mensch…

… im Riechhirn bis zu 4000 verschiedene Gerüche unterscheiden kann [JEN-07]

Das worauf es ankommt, muss aber jeder erst lernen.

Nämlich die Erinnerung von Geruchseindrücken. Du musst also Aroma-Assoziationen bilden, um das Duftbild eines Wein, einem dir bekannten Aroma zuzuordnen. Nur wenn du es schaffst, dir Gerüche zu merken und im Wein wiederzuerkennen, kannst du Wein professionell verkosten.

Ich will dir nichts vormachen.

Das ist harte Arbeit und viel Übung.

Außerdem eine absolut intelligente und großartige Leistung renommierter Weinkritiker.

Um diese Fähigkeit zu entwickeln brauchst du viel Geduld und musst vor allem viel Wein probieren.

Und das ist gleichzeitig die gute Nachricht. Riechschärfe, also die Fähigkeit einzelne Gerüche zu erkennen und zu unterscheiden ist trainierbar.

Am Besten fängst du gleich jetzt damit an und schnappst dir ein Weinglas.

Beim Riechen gehst du dann folgendermaßen vor [MAD-16]:

  1. Hebe das Glas bis dicht unter die Nase und rieche daran
  2. Schwenke das Glas einmal und rieche erneut daran (dieses Mal länger und langsamer, aber sehr bewusst)

Dabei darfst du die Nase ruhig über dem Glas hin- und herbewegen.

  • Kräftige Fruchtaromen findest man meist am unteren Rand [MAD-16]
  • Florale Aromen und flüchtige Ester sammeln sich am oberen Rand des Glases [MAD-16]

Wenn du das wie beschrieben durchführst, solltest du in der Lage sein etwas zu riechen.

Nun geht es darum den Geruch richtig einzuordnen und zu selektieren.

Die Aromen kannst du dazu erstmal grob in 3 Gruppen unterteilen [DAR-12]:

  • Primäre Aromen
  • Sekundäre Aromen
  • Teritäre Aromen

Hört sich kompliziert an? Keine Sorge.

Ist es nicht. Im Folgenden erkläre ich dir genau, was es mit den kompliziert klingenden Begriffen auf sich hat.

Primäre Aromen

Primäre Aromen kommen von der Rebsorte selbst. Das bedeutet, die Aromen befinden sich bereits in der Beere. In der Mehrzahl handelt es sich dabei um blumige und fruchtige Noten.

Wie du vielleicht schon weißt, bietet jede Sorte andere Aromen. Hierzu möchte ich dir folgende Zuordnungen als Beispiele nennen:

  • Sauvignon Blanc: Stachelbeernote, Maracuja
  • Riesling: Zitrone, Apfel, Pfirsich
  • Gewürztraminer: Rose, Ananas, Grapefruit
  • Scheurebe: Schwarze Johannisbeere, Mandarine, Birne
  • Pinot Noir: Kirsche, Pflaume

Die Primäraromen können aber, auch bei der gleichen Rebsorte, unterschiedlich ausfallen. Ein Wein dieser Sorte kann die genannten Aromen beinhalten. Muss er aber nicht.

Welche primären Aromen der Wein am Ende haben wird, hängt von vielen Faktoren ab.

Trotzdem solltest du dir einige markante Geruchsnoten merken. So fällt es dir auf Dauer am leichtesten, die verschiedenen Rebsorten am Geruch wieder zu erkennen.

So kannst du beispielsweise davon ausgehen, dass wenn der Weißwein eine helle Farbe mit einem Stich ins Goldene hat und nach Stachelbeere riecht, höchst wahrscheinlich ein…

Na, weißt du es?

Richtig,… Sauvignon Blanc ist.

Sekundäre Aromen

Im Gegensatz zu den Primäraromen stammen die Sekundäraromen nicht aus der Beere selbst.

Die sekundären Aromen entstehen bei der Herstellung, vor allem durch von Hefen und Bakterien verursachte Reaktionen. Es handelt sich also um Aromen, die durch die Gärung gebildet werden.

Träger dieser Sekundäraromen sind Alkohole, Säuren, Aldehyde und Ester. [JEN-07]

Sekundäraromen können zum Beispiel nach…

  • Hefe
  • Teig
  • Butter
  • Brot
  • Pilz
  • Leder
  • Käse
  • schwarzer Pfeffer

… riechen.

Ein Großteil der Sekundäraromen ist aber äußerst flüchtig und verschwindet wieder: teilweise schon während des Ausbaus, manchmal aber erst später auf der Flasche. [JEN-07]

Teritäraromen

Kommen wir zu meinen Lieblingsaromen.

Den Teritäraromen.

Diese entstehen während der Reifung eines Weins und verleihen ihm Komplexität.

Die Primäraromen treten dann in den Hintergrund und neue Duftkompositionen entwickeln sich.

Zu diesen zählen…

  • Würzige Noten
  • Balsamische Aromen
  • Holzaromen
  • Reifearomen
  • Moos (Waldboden)
  • Teer
  • Lakritze
  • Schokolade

Wie du Aromen beschreiben kannst

So. Nun weißt du schon eine ganze Menge über Aromen.

Aber weißt du auch wie viele unterschiedliche Weinaromen bisher nachgewiesen wurden?

500.

Wissenschaftler konnten bis heute rund 500 verschieden Weinaromen identifizieren. [JEN-07]

Das ist viel. Richtig viel.

Wie sollst du da nur den Überblick bewahren? Nun, zum Glück gibt es das Aromarad. Anhand eines solchen Aromarades kannst du geordnete Aromabenennungen ablesen.

Dabei werden die Duftnoten zunächst in Obergruppen wie „fruchtig, blumig, würzig…“ zusammengefasst. In diesen Überkategorien befinden sich dann detaillierte Beschreibungen wie Maracuja oder schwarzer Pfeffer.

Tipp: Aromaräder gibt es im Internet in Hülle und Fülle kostenlos. Gib einfach Aromarad Wein bei google ein und sieh mit welchem du am Besten zurechtkommst.

Wenn du Wein bewusst probierst und versuchst anhand des Aromarades einige Aromen wieder zu finden, wirst du schon bald einen großartigen Lerneffekt haben.

Aromen, Assoziationen und die richtige Wortwahl wird sich dann Stück für Stück in dein Gedächtnis brennen.

  1. Schmecke den Wein

Jetzt kommt der Teil, der Spaß macht. Du darfst den Wein nun probieren. Wein verkosten ist ein Genuss.

Also nimm einen Schluck und benetze deinen gesamten Mund mit der Flüssigkeit. Egal ob Rot- oder Weißwein. Versuche auch mehrere kleine Schlucke zu nehmen, um alle Geschmacksnoten entdecken zu können.

Was schmeckst du?

Wenn dir jetzt die richtigen Worte fehlen, weißt du vielleicht wieder nicht wo du ansetzen bzw. beginnen sollst. Kein Problem.

Ich kann dir dabei helfen.

Und weißt du was?

Es ist einfacher, als den Wein zu riechen und die Aromen aufzuzählen. Warum?

Nun, es gibt 500 verschiedene Aromen, wie der Wein riechen kann, aber nur 4 unterschiedliche Geschmäcker, wie der Wein schmecken kann.

Du musst dich also nur auf diese 4 Geschmackskomponenten konzentrieren.

Welche das sind?

  • Süß
  • Sauer
  • Salzig
  • Bitter

Das ist alles. Einfach nur süß, sauer, salzig und bitter.

Um diese Komponenten zu schmecken brauchst du vor allem deine Zunge. An ihr befinden sich die meisten Geschmacksrezeptoren, am Gaumen und im Rachenraum dagegen zur wenige. [JEN-07]

Einen Haken gibt es allerdings doch.

Das Gemeine ist nämlich, dass der Weingeschmack aus einer Mischung dieser vier Grundrichtungen besteht. Du musst also versuchen die entstehenden Eindrücke in deinem Mund einzeln wahrzunehmen und nacheinander aufzuzählen.

Außerdem musst du auf dein Mundgefühl achten. Dieses wird besonders durch Alkohole, Mineralstoffe, Säuren und Phenole geprägt. Das ist ein wichtiger Punkt und kann besonders am Anfang eine Herausforderung darstellen.

Damit du weißt wie sich ein Wein im Mund anfühlen kann, hier einige Beispiele:

  • weich
  • rund
  • cremig
  • ölig
  • pelzig

Das ist aber nur die Spitze des Eisbergs. Es gibt noch etliche andere haptische Eindrücke die du im Wein schmecken kannst. Diese nun alle aufzuzählen würde den Rahmen dieses Beitrags sprengen und zu sehr ins Detail gehen. Wenn du trotzdem mehr darüber erfahren möchtest, kann ich dir Empfehlen im Quellenverzeichnis am Ende des Beitrags weiter zu recherchieren.

Wenn dir das fürs Erste reicht und du noch einige Tipps zum Schmecken brauchst, kannst du gerne in die nächste Zeile hüpfen.

Damit du nämlich erkennen kannst, um welchen Geschmackseindruck es sich im Wein handelt und wie dieser in deinem Mund wirkt, erhältst du nun einige praktische Tipps:

  • Süße schmeckst du vor allem an deiner Zungenspitze
  • Säure macht deinen Mund wässrig
  • Tannin trocknet deinen Mund aus
  • Alkohol wärmt deinen Rachen

Ich will dir nichts vormachen. Besonders die Bewertung der Textur eines Wein (Mundgefühl) erfordert einiges an Übung.

Zum Tannin habe ich einen ausführlichen Artikel geschrieben, den du dir an dieser Stelle durchlesen solltest, um ein besseres Bild zu bekommen: Was ist Tannin?

Das alles sind aber Dinge, die du lernen kannst.

Mit der Zeit und mit wachsender Erfahrung, wirst du in der Lage sein Geschmack und Textur eines Weins zu beurteilen.

Das Finale

Wenn du also Geschmack und Mundgefühl beurteilt hast, schluckst du den edlen Tropfen.

Das bedeutet aber nicht, dass deine Konzentration jetzt nachlassen darf.

Denn was du im Augenblick des Hinunterschluckens und kurz darauf wahrnimmst ist der Nachhall.

Dabei handelt es sich um einen Nachgeschmack, der entsprechend lang oder kurz andauert. Obwohl du den Tropfen also schon heruntergeschluckt hast, kannst du immer noch Aromen, Säure oder Bitterstoffe wahrnehmen.

Dieser Nachklang sollte in deine Beurteilung über den Wein mit einfließen.

Eine entscheidende Rolle, ob ein Nachhall gut oder schlecht ist, spielt dabei die Länge.

Je länger, desto besser.

Probiere verschiedene Weine, um ein Gefühl für die Länge und Qualität des Nachhalls zu entwickeln.

  1. Folgern und reflektieren

Wenn du bis jetzt alle drei Schritte durchgeführt hast, bist du dem Ziel einen Wein zu verstehen schon ein ganzes Stück näher gekommen.

Du hast nun eine ganze Menge an Informationen über den Wein gesammelt.

Du kennst die Farbe, einige Aromen im Bukett des Weins, den Geschmack, die Textur usw.

All diese Informationen nützen dir aber nichts, wenn du diese nicht richtig einordnen und beurteilen kannst.

Um das systematisch zu tun, rate ich dir eine Verkostungsnotiz zu schreiben.

Folgende Punkte solltest du in deiner Verkostungsnotiz notieren:

  • Was wurde verkostet? (Winzer, Anbaugebiert, Sorte, Jahrgang, Bezeichnung)
  • Wann wurde verkostet? (heutiges Datum, vielleicht probierst du den Wein später wieder und möchtest den Grad der Reife beurteilen)
  • Farbe
  • Geruch bzw. Nase
  • Geschmack
  • Fazit bzw. eigene Meinung

Die Verkostungsnotiz wird dir bei deinem Entwicklungsprozess helfen. Durch das Aufschreiben verinnerlichst du, was du…

  • gesehen
  • gerochen
  • geschmeckt
  • und gefühlt

.. hast.

Außerdem hast du die Möglichkeit deine Ergebnisse mit anderen Weinfreunden zu vergleichen. Es gibt auf Facebook Gruppen in denen haufenweise Verkostungsnotizen geteilt werden. Die bekanntesten sind:

  • Hauptsache Wein
  • Bordeaux & Riesling und so …

Der gemeinsame Austausch ist extrem lehrreich und du hast die Möglichkeit neue Kontakte zu anderen Weinfreunden zu knüpfen.

Tipp: Auf eine Bewertung mittels Punktesystem würde ich am Anfang noch verzichten. Das ist den Profis überlassen und erfordert sehr viel Erfahrung.

Fazit

Wow. Das waren eine Menge Informationen. Beim Wein verkosten muss man viel beachten.

Wie du die Sache angehen musst, weißt du nun jedenfalls.

Jetzt heißt es üben. Üben. Üben.

Dabei kannst du den Rahmen deiner Weinverkostung unterschiedlich gestalten und verschiedene Dinge ausprobieren.

Als kreativen Anreiz möchte ich dir noch folgende Ideen mitgeben:

  • Am einfachsten für dich ist es mit reinsortigen Weinen anzufangen (danach kannst du dich langsam zu Cuvées vorarbeiten)
  • probiere den Wein auch einmal aus unterschiedlichen Gläsern (dabei wirst du feststellen, dass derselbe Wein oft etwas anders riecht und schmeckt)
  • führe Jahrgangsvergleiche durch (Verkoste eine Reihe unterschiedlicher Jahrgänge desselben Weins eines Winzers und vergleiche diese)
  • Qualitätsvergleiche (Verkoste eine Auswahl ähnlicher, aber unterschiedlich teurer Weine im Hinblick auf die Qualität)
  • Regionalvergleiche (Probiere Weine derselben Rebsorte aus verschiedenen Anbaugebieten)

Wenn du jetzt denkst: „Wow. Das klingt wirklich wahnsinnig interessant, aber das kann ich mir niemals leisten.“

Dann habe ich noch einen letzten Tipp für dich.

Besuche eine Weinmesse. Aber sei gewarnt. Bevor du dich jetzt für die nächste Weinmesse anmeldest, solltest du dir unbedingt noch einen Beitrag durchlesen.

Bei einer Weinverkostung kannst du nämlich einiges falsch machen.

Was das ist und wie du die schlimmsten Fehler bei einer Weinverkostung vermeiden kannst, erfährst du hier: Die 6 schlimmsten Fehler bei einer Weinverkostung

Quellen:

[JEN-07] Jens Priewe: Wein die neue große Schule. Zabert Sandmann, 2007, 3. Auflage

[MAD-16] Madeline Puckette: Der ultimative Wein-Guide. Wilhelm Heyne Verlag München, 2016, 3. Auflage

[DAR-12] Martin Dartin: Sensorik für Praktiker und Genießer. Ulmer, 2012, 2. Auflage

Bildnachweis:

Madeline Puckette: winefolly.com, http://winefolly.com/wp-content/uploads/2013/02/wine-color-chart1.jpg; aufgerufen am 28.02.2018

Ich bin Daniel Bayer, der Wein Blogger hinter wein-verstehen.de. Wenn du mehr über diesen Blog erfahren möchtest und neugierig bist wer ich bin, dann klicke in der oberen Menüleiste auf den Punkt ÜBER MICH.

2 KOMMENTARE

  1. Daniel du machst dir wirklich viel Arbeit bei dem Zusammenfassen von Weinwissen aus unterschiedlichen Quellen*.
    Du willst Weininteressierten die Tür zum Wein noch weiter öffnen.
    Das finde ich hervorragend, große Anerkennung dafür!

    Was ich vermisse ist die Verknüpfung von dem Wissen aus der Vergangenheit, mit den aktuellen Gegebenheiten.
    Schon seit vielen Jahren gibt es viele Möglichkeiten die Farbe, den Geruch und den Geschmack wesentlich zu beeinflussen.
    Die Aufzählungen sind also überholt.
    Chianti Classico, Bordeaux, Barolo, Burgunder gibt es heutzutage in zig Varianten.
    Diese Varianten weichen sehr stark von einander ab. Eine Gemeinsamkeit ist nicht mehr eindeutig erkennbar.

    Die Weinwelt hat im Bereich Rebsorten, Herkunft, Kellertechnik, Ausbaustilen eine unendliche Vielfalt erreicht.
    Diese ist mit alten Maßstäben nicht mehr erfassbar und zuzuordnen.
    Jegliches Schubladendenken ist überholt.

    Somit können jene „alten Erkenntnisse“ eher für Verwirrung, als für Durchblick sorgen.

    Allgemeingültig bleibt natürlich die Verkostungstechnik.
    Grundstein ist, meiner Meinung, dass jeder der sich mit Wein beschäftigen will
    Gerüche (Holz, Erde, Gewürze, Gras, Früchte …..) bewusst wahrnimmt und zuordnet.
    Um etwas zu „erkennen“, muss man es kennen! 😉
    In Tabellen zusammengefasste „klassische“ Gerüche von Rebsorten/Weinen auswendig zu lernen, ist wenig sinnvoll.

    * Jens Priewe schätze ich sehr. Sein Fachwissen ist beeindruckend.
    Sein Buch „Die kleine Weinschule“ war vor über 25 Jahren mein Einstieg.
    Ein Fachmann der nicht abhebt, sondern bodenständig geblieben ist und
    auch neue Erkenntnisse in seine Arbeit einbindet.
    Er hat auch den Mut und spricht unbeliebte Tatsachen an!
    Bei meinem Verschlusstest „Diam“ 2016, hat er den Einfluss des Presskorkens auf Wein zu 100% erkannt!

  2. Super-Anleitung Daniel Bayer, Danke !
    Lohnt sich unbedingt zu lesen, nicht nur für „Anfänger“ 👌
    Wäre auch für manchen (Pseudo)Experten interessant und anregend 🙂

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