Es ist Sommer, du sitzt im Biergarten und freust dich tierisch auf ein erfrischendes Bier.
Lächelnd kommt die attraktive Kellnerin auf dich zu, serviert dir das schäumende Bier und du setzt den Gerstensaft in freudiger Erwartung an deine Lippen.

Doch etwas stimmt nicht! Bittere Enttäuschung macht sich breit.
Im Bruchteil einer Sekunde wird dir klar was nicht in Ordnung ist.
Eine Unverschämtheit! Das darf doch nicht wahr sein!

Wild gestikulierend winkst du die Kellnerin zurück und beschwerst dich, dass das Bier viel zu warm sei. So kannst du es auf keinen Fall trinken. Eine Zumutung sei das.
Hast du das schon einmal erlebt?

Zugegeben, die Reaktion des Gasts war schon ein bisschen übertrieben. Aber ein Bier, das nicht direkt aus dem Kühlschrank kommt schmeckt einfach nicht. Es sollte bei fünf bis maximal acht Grad Celsius genossen werden. Das weiß in meiner Heimat, der Oberpfalz, in der Bier quasi zu den Grundnahrungsmitteln zählt, jeder.

Doch wie ist es beim Wein? Welche Temperatur sollte Rotwein haben? Warum trinkt man Weißwein gekühlt und Rotwein bei Zimmertemperatur? Stimmt das mit der Zimmertemperatur überhaupt? Was ist die ideale Weintemperatur? Diese und weitere Fragen werden wir im heutigen Artikel klären.

Die richtige Servier- und Trinktemperatur bei Wein

Ich erlebe es oft, dass Weißweine zu kalt und Rotweine zu warm serviert werden. Das ist schade, denn dieser Umstand führt dazu, dass der Genuss erheblich geschmälert wird. Wenn ein Weißweinglas beschlagen ist, hat der edle Tropfen sein Aroma bereits verloren. Der Wein schmeckt dann neutral und wirkt verschlossen, obwohl vielleicht viel mehr in ihm stecken würde. Der einzige Vorteil daran, wärmer wird der Wein von alleine. Nimm den Rebsaft einfach zwischen deine beiden Hände und warte ab, bis er auf die ideale Weintemperatur gekommen ist. Rieche hin und wieder am Glas während du wartest. Nach einer gewissen Zeit wirst du feststellen, dass die Aromen nach und nach zurückkehren. Gerade im Hochsommer macht es durchaus Sinn, den Wein lieber zu kalt einzuschenken, da er sich sonst rasend schnell erwärmt.

Rotweine die zu warm serviert werden, wirken alkoholisch und lassen selbst elegante Tropfen breit und unharmonisch wirken. Anders als beim Weißwein kannst du zu warmen Rotwein mit deiner Körperwärme nicht wieder abkühlen. Das ist besonders in warmen Ländern oder im Sommer ärgerlich, weshalb ich in Spanien immer einen Eiskübel zu meiner Flasche Rotwein mit dazu bestelle. Durch das Eis hast du die Möglichkeit regulierend einzugreifen und den Wein, wenn es notwendig ist, jederzeit abzukühlen.

Doch was ist denn nun die ideale Trinktemperatur beim Wein? Ich will dich nicht länger auf die Folter spannen. Deshalb erhältst du nun eine Übersicht, die dir eine grobe Richtung vorgeben soll:

WeinstilBeispieleServiertemperatur
Weißweine mit Holznote, körperreiche WeißweineSauvignon Blanc Fumé, Weißburgunder10 – 13 °C
Leichte WeißweinePinot Grigio, deutscher Riesling, Grüner Veltliner7 – 10 °C
SüßweineEiswein, Sauternes, Tokajer6 – 8 °C
SchaumweineChampagner, Cava, Sekt6 – 10 °C
Leichte RotweineLambrusco, Beaujolais13 °C
Rotweine mit mittlerem bis vollem KörperBordeaux, Rioja, Shiraz, Blaufränkisch15 – 18 °C
Orangeweine14 – 16 °C

Welche Temperatur sollte Rotwein haben?

Wie du in der Tabelle sehen konntest, lautet die Antwort: „Es kommt darauf an.“ Die allgemeine Empfehlung für Rotwein liegt zwar zwischen 16 und 18 °C, diese variiert aber je nach Weinstil und Weintyp.

Für die meisten Rotweine liegt die ideale Weintemperatur bei 18 °C. Für leichte, elegante und fruchtbetonte, rote Tropfen sind sogar 16 °C empfehlenswert. Achte bitte unbedingt darauf, dass sich der Wein je nach Umgebungstemperatur, Sonnenintensität usw. mal mehr, mal weniger erwärmt oder gar abkühlt. Wenn du den Wein also bei 18 °C trinken möchtest und es draußen sommerliche 30 °C hat, solltest du diesen leicht gekühlt servieren.

Aus Erfahrung weiß ich, dass es unglaublich schwer ist diese Temperaturen auf den Punkt zu treffen. Deshalb ist ein Weinthermometer zum Überprüfen der Temperatur empfehlenswert. Ein gutes Weinthermometer findest du hier: lll➤ Weinthermometer

Wird Rotwein bei Zimmertemperatur getrunken?

Welche Temperatur sollte Rotwein haben? Diese Aussage wirst du immer wieder hören: „Für Rotwein gilt Zimmertemperatur.“ Was ist, wenn ich dir sage, dass das absoluter Quatsch ist? Zimmertemperatur bedeutet heute kuschelige 21 °C!

Bei vielen meiner weiblichen Bekannten wird sogar richtig eingeheizt, damit es immer wohlig warm ist. Wenn du Rotwein bei dieser Temperatur servierst, schmeckst du vor allem Alkohol und das Glycerin im Wein.

Nach fruchtigen Aromen suchst du dann vergeblich und greifst lieber zum Feierabendbier, als zum edlen Tropfen. Wenn ich so darüber nachdenke wundert es mich nicht, dass viele Bekannte aus meinem engeren Kreis keinen Wein mögen. Womöglich trinken sie ihren Rotwein alle bei Zimmertemperatur?

Doch woher kommt dann dieser Richtwert? Nun, damals als die Weinfreunde noch in Schlössern wohnten, freute man sich über 18 °C. In den alten Burgen und ihren dicken Wänden war es im Sommer trotzdem kühl und so hatte sich schnell die Empfehlung für „Rotwein bei Zimmertemperatur“ eingebürgert. Was damals noch funktionierte, ist heute längst überholt.

Bei welcher Temperatur Weißwein trinken?

Im Grunde ist es wesentlich einfacher Weißwein richtig zu temperieren, als Rotwein. Jeder der einen Kühlschrank in der Küche stehen hat, kann diesen nutzen um seinen Wein herunter zu kühlen. Achte aber bitte darauf, dass dieser nicht zu kühl eingestellt ist. Ich empfehle 7 °C. Besonders die neueren Modelle laufen aber bei 4 °C, was höchstens für einfache Schaumweine noch akzeptabel ist. Beispielsweise jahrgangslose, Einstiegssekte vom Winzer um die Ecke. Die Kohlensäure im Schaumwein sorgt dafür, dass die Aromen auch bei niedrigen Temperaturen noch präsent sind. Feine Champagner oder Jahrgangsschaumweine solltest du bei knapp unter 10 °C genießen.

ideale Weintemperatur
Fun fact: Ist der Champagner wärmer, steigt der Druck in der Champagnerflasche an.


Leichte Weißweine kommen ideal temperiert aus dem Kühlschrank. Je nachdem wie dieser eingestellt ist, empfehle ich dir zehn bis zwanzig Minuten zu warten, bis der Tropfen die gewünschten 7 °C hat.

Bei schweren, gehaltvollen Weißweinen sieht die Sache wieder anders aus. Ein Großes Gewächs (z. B. Riesling aus der Pfalz) bei 7 °C zu trinken, wäre definitiv zu kalt. Ich empfehle für Smaragde aus der Wachau, Elsässer Grand Cru oder Große Gewächse (GG) 9 – 10 °C. Wenn er sich langsam auf 13 – 14 °C erwärmt ist das nicht weiter schlimm. Beobachte einfach, wie sich der Geschmack, Geruch, die Wahrnehmung des Alkohols und die Säure im Laufe der Zeit verändern. Jeder nimmt diese Empfindungen anders wahr, weshalb es auch schwierig ist eine allgemeingültige Aussage zur idealen Weintemperatur zu geben. Wenn dann noch Holz mit im Spiel ist, wird es besonders spannend. Du wirst feststellen, dass diese Weine erst ab 10 – 11 °C anfangen Spaß zu machen. Die fetten Chardonnays aus Kalifornien spielen nochmal in einer anderen Liga. Beginne bei ca. 12 °C und beobachte einfach wie sich der opulente, im Holzfass ausgebaute Chardonnay langsam öffnet und entwickelt.

Übrigens kann es sein, dass deine Weine etwas Starthilfe benötigen, um sich zu öffnen. Tipps zum richtigen Karaffieren (belüften von Wein) findest du hier: ➤ Warum sollte man Wein atmen lassen oder belüften?

Weißwein Temperatur
Da hilft selbst Körperwärme nicht mehr weiter 😉

Welche Trinktemperatur sollte Rosé haben?

Roséwein wird aus roten Rebsorten wie zum Beispiel Pinot Noir hergestellt. Da diese Weine nur kurzen Kontakt mit der Maische haben, weißen sie eine sehr helle, rosarote Farbe auf. Je nachdem wie lange der Kontakt mit den Beerenhäuten war, welche Rebsorte verwendet wurde und welchen Körper der Rosé letztendlich hat, variiert auch die empfohlene Trinktemperatur.

Für leichte, junge Roséweine empfehle ich dir wie auch beim Weißwein bei 7 °C zu starten. Wenn du einen gehaltvolleren, schwereren Rosé vor dir hast, kann du auch bei 9 – 10 °C beginnen und beobachten, wie sich der Wein präsentiert und im Laufe der Zeit entwickelt.

Weinthermometer und andere Hilfsmittel für die ideale Weintemperatur

Neben deiner eigenen Wahrnehmung ist das Weinthermometer ein super hilfreiches Tool, um die exakte Weintemperatur zu messen. Es gibt verschiedene Arten von Thermometer, die ihre ganz speziellen Vor- und Nachteile haben. Damit du einen klaren Überblick erhältst, habe ich dir die besten Hilfsmittel herausgesucht und beschrieben.

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Auch für den normalen Haushalt ein nützliches
Hilfsmittel

negativ: misst nur die Außentemperatur der Flasche,
dadurch kein genaues Ergebnis

negativ: misst nur die Außentemperatur der Flasche,
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negativ: etwas aufwändiger in der Handhabung

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Ich bin Daniel Bayer, der Wein Blogger hinter wein-verstehen.de. Wenn du mehr über diesen Blog erfahren möchtest und neugierig bist wer ich bin, dann klicke in der oberen Menüleiste auf den Punkt ÜBER MICH.

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