Du suchst eine Alternative zum Rotwein?

Weißwein ist dir zu langweilig? Und Rosé kommt für dich gar nicht erst in Frage?

Oder findest du vielleicht alle aufgezählten Weine so großartig, dass du gerne zusätzlich eine vierte Farbe kennen lernen möchtest?

Dann solltest du vielleicht Orange Wine probieren.

Aber Vorsicht!

Sag nicht, ich hätte dich nicht gewarnt.

Orange Wine polarisiert. Der orange farbige Wein ist nicht jedermanns Sache.

So viel steht fest. Das ist etwas völlig anderes.

Die Weine sind anspruchsvoll und komplex.

Die ersten geschmacklichen Eindrücke können dich verstören. Verwirren. Sie können sogar dein gesamtes Weinwissen auf den Kopf stellen.

Diese orangen Weine schmecken einfach so ganz und gar anders, als alles was du gewohnt bist.

Die Einen lieben es. Die Anderen hassen es.

Dazwischen gibt es nichts.

Du bist neugierig geworden? Du möchtest endlich wissen was Orange Wine ist?

Dann will ich dich nicht weiter auf die Folter spannen.

Woher kommt Orange Wine?

Lass uns einen kurzen Ausflug zurück in die Vergangenheit machen. Dazu müssen wir rund 7000 Jahre nach Georgien zurückblicken.

Georgien gilt als die Wiege des Weinbaus.

Damals gab es noch keine Edelstahltanks in denen der Wein gären konnte.

Stattdessen verwendeten die Georgier Amphoren aus Ton. In diesen Amphoren vergoren sie sowohl Rotwein, als auch Weißwein.

Ein Unterschied wurde nicht gemacht.

Man hat einfach die Trauben gepackt und in das Tongefäß gegeben.

Das war alles.

„Und was hat das jetzt mit Orange Wine zu tun?“ Höre ich dich fragen.

Nun. Eine ganze Menge.

Wurden in diese Amphoren Weißweinbeeren gegeben, entstand daraus Wein mit einer orangenen bis bernsteinfarbenen Tönung. Geschmeckt hat das wahrscheinlich nicht, aber was zählt ist, dass hier der Grundstein gelegt wurde.

Was entstand, war eine Art Orange Wine.

Oder einfach oranger Wein.

Vor mehr als 7000 Jahren.

Das lag aber nicht an der Amphore.

Sondern viel mehr an der Art und Weise, wie der Wein hergestellt wurde.

Wie wird Orange Wine hergestellt?

Es ist Zeit unseren kleinen Ausflug in die Vergangenheit zu beenden.

Gehen wir zurück ins 21. Jahrhundert.

In die Moderne.

Nun stellst du dir sicher die Frage: „Was haben die Georgier damals gemacht, was noch heute praktiziert wird, um Orange Wine herzustellen?“

Nun, der gemeinsame Nenner ist die Maischegärung.

Genau wie vor tausenden von Jahren wird der Weißwein auf der Maische vergoren. Das ist der springende Punkt.

Orange Wine ist nichts anderes, als maischevergorener Weißwein. Nicht mehr und nicht weniger.

Tipp: Maischegärung ist die gemeinsame Gärung von Saft, Schalen und den restlichen Beerenbestandteilen. Vor der Gärung werden die Trauben in der Regel entrappt, also vom Stielgerüst getrennt. Es gibt aber auch Winzer, die die Stängel mitvergären. Das bleibt am Ende jedem selbst überlassen. [JEN-07]

Vielleicht kennst du diesen Prozess schon von der Rotwein Herstellung. Bei der Produktion von Rotwein ist die Maischegärung unerlässlich.

Rotwein erhält dadurch seine rote Farbe. Wenn du mehr über das Thema erfahren möchtest, findest du hier einen interessanten Beitrag dazu: „Warum ist Rotwein rot und Weißwein weiß?

Und welche Farbe erhält Weißwein durch die Maischegärung? Richtig. Die typisch intensive, orange Färbung.

Wie du vielleicht schon ahnst, haben weiße Rebsorten nur sehr wenige Farbstoffe in der Beerenhaut.

Es gibt aber ein paar Ausnahmen. Grauburgunder ist so eine Ausnahme. Auch einige Klone des Gewürztraminers verfügen über mehr Farbstoffe.

Vielleicht hast du solche Trauben schon einmal im Weinberg gesehen. Diese Rebsorten fallen schon von weitem durch ihre eher pink- bis lilafarbenen Häute auf.

Die Farbe ist aber nicht das Einzige, was der Orange Wine bei der Maischegärung erhält.

Auch die Struktur ändert sich. Eine Struktur, die dich vielleicht an Rotwein erinnern wird. Verantwortlich dafür ist das Tannin, welches bei der Maischegärung auf den Orange Wine übergeht.

Wenn du mehr über Tannin erfahren möchtest, dann empfehle ich dir meinen Beitrag: „Was ist Tannin?

Wie schmeckt Orange Wine?

Anders.

Orange Wine schmeckt definitiv anders als normaler Rot- oder Weißwein.

„Schmeckt er schlecht?“ – Grundsätzlich nicht. Orange Wine kann großen Genuss bereiten. Muss er aber nicht. Es gibt durchaus Winzer, die sich mit der Herstellung von Orange Wine keinen Gefallen tun. Wenn ein Winzer aber sein Handwerk versteht und weiß worauf es ankommt, können großartige Weine entstehen.

Tipp: Nur weil etwas anders schmeckt, heißt das ja noch lange nicht, dass es schlecht ist.

Der größte geschmackliche Unterschied zum normalen Weißwein ist das Mundgefühl. Anders als beim herkömmlichen Weißwein, bringt Orange Wine eine gewisse Gerbstoffstruktur mit.

Durch diese Tannine wirken die Weine komplexer und vermitteln eher das Gefühl einen Rotwein am Gaumen zu spüren, als einen Weißwein.

Wenn du also Rotwein liebst, aber um Weißwein bisher einen Bogen gemacht hast, könnte Orange Wine für dich ein interessanter Kompromiss sein.

Auch in der Nase entfalten Orange Wines oft ein komplexes Aroma. Dieses ist natürlich stark Abhängig von…

  • der Rebsorte,
  • dem Ausbau
  • und der Machart.

Wie bei jedem anderen Wein eben auch. Trotzdem gibt es einige Aromen die recht typisch sind. Im Folgenden erhältst du einige Beispiele, wie Orange Wine riechen kann:

  • Kandierte Früchte
  • Nüsse
  • Geröstete Mandeln
  • Karamell
  • Honig
  • Getrocknete Früchte
  • Datteln
  • Feigen

Warum polarisiert Orange Wine?

Getrocknete Früchte. Honignoten. Komplexes Aroma und ein oranges Farbspiel im Glas.

Klingt das nicht herrlich? Das alles sind doch Aromen die jeder mag. Mein Mund wird selbst ganz wässrig, während ich das hier schreibe.

Bestimmt fragst du dich, warum ich eingangs erwähnt habe, dass Orange Wine polarisiert.

Eine gute Frage. Immerhin klingt bisher doch alles ganz wunderbar.

Nun. Es gibt tatsächlich Menschen, die behaupten Orange Wine wäre fehlerhaft und ungenießbar.

Von einem überbewerteten Hype oder Trend ist die Rede. Reines Marketing, um schlechte und fehlerbehaftete Weine zu verkaufen.

Vielleicht trifft das teilweise zu. Auch beim Rot- oder Weißwein gibt es schwarze Schafe. Manchmal erwischt man eben einen schlechten Wein.

Aber warum wird derartig über Orange Wine geschimpft? Der Grund ist eigentlich einfach. Die meisten Kritiker bringen schlichtweg zwei grundlegende Begriffe durcheinander, die nicht zusammen gehören.

Sie schimpfen über Orange Wine, meinen aber Naturwein oder Amphorenwein.

Zwar werden Naturweine in der Regel auch maischevergoren, das war es dann aber auch schon an Gemeinsamkeiten.

Naturwein ist etwas völlig anderes.

Oftmals werden Begriffe wie Orange Wines, Naturwein, Natural Wine und schwefelfreier Wein fälschlicherweise in einen Topf geworfen

Beim Naturwein wird weitestgehend auf Schwefel verzichtet. Alles muss möglichst unbehandelt und ungeschönt in die Flasche gefüllt werden. Ohne den Einsatz von Schwefel fehlt aber eine wichtige Komponente, die für eine mikrobiologische Stabilität im Wein sorgt und damit die Genießbarkeit der Weine sichert. Eben auch noch nach vielen Jahren.

Orange Wine erfordert all das nicht. Orange Wine ist Weißwein der auf der Maische vergoren wurde. Nicht mehr und nicht weniger. Das Problem ist nur, niemand hat das klar definiert.

Grund für diese Verwechslung ist der wohl fehlende Eintrag im Weingesetz. Tatsächlich steht nirgends klar definiert was Orange Wine oder Naturwein eigentlich ist.

Der Name Orange Wine und Naturwein ist kein weinrechtlicher Begriff

Wahrscheinlich verschwimmen genau aus diesem Grund die Grenzen zwischen den genannten Begriffen.

Fazit

Wenn du bisher noch keinen Orange Wine im Glas hattest, dann kann der Genuss eine interessante und neue Erfahrung für dich sein.

Trinke den Wein am Besten bei einer Temperatur von 14-15 Grad. Die richtige Temperatur orientiert sich eher am Rotwein, als am Weißwein. Also nicht zu kalt genießen.

Lass dir Zeit beim Verkosten. Orange Wines brauchen ein bisschen, um sich im Glas entwickeln zu können. Beobachte ganz entspannt wie sich der Wein langsam öffnet.

Der Wein wird sich dann nach und nach entfalten. Das ist das Schöne daran.

Entschleunigung.

Du musst auch nicht die ganze Flasche auf einmal trinken, wenn du gerade alleine bist.

Du kannst den Wein ruhig über mehrere Tage verteilt trinken. Du wirst vielleicht feststellen, dass sich der Rebsaft dadurch noch weiter entwickelt und verändert.

Ich gebe es zu. Nicht jeder hat Lust darauf sich derart intensiv mit einem komplexen und anspruchsvollen Wein zu beschäftigen. Gerade am Anfang sind die meisten Weintrinker mit fruchtigen und unkomplizierten Weinen mehr als zufrieden.

Ein frischer Sauvignon Blanc auf der Terrasse im Sommer. Oder ein geschmeidiger Merlot im Kerzenschein mit der Liebsten.

Was will man mehr? Das genügt dem Otto Normalverbraucher in der Regel.

Wenn du aber…

  • nach Abwechslung suchst,
  • etwas Neues kennen lernen möchtest,
  • deine sensorischen Fähigkeiten herausfordern möchtest oder
  • dich in Sachen Wein weiterentwickeln möchtest,

dann kann ich dir empfehlen Orange Wine zu probieren.

 

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Quellen:

[JEN-07] Jens Priewe: Wein die neue große Schule. Zabert Sandmann, 2007, 3. Auflage

Bildnachweis:

© Jp Valery – unsplash

Ich bin Daniel Bayer, der Wein Blogger hinter wein-verstehen.de. Wenn du mehr über diesen Blog erfahren möchtest und neugierig bist wer ich bin, dann klicke in der oberen Menüleiste auf den Punkt ÜBER MICH.

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